Die Lebensfrohen

Bhutan

Bhutan

- Das Letzte seiner Art

Von Nepal ging es direkt nach Bhutan und schon der Flug dorthin war ein Erlebnis. Der Flughafen in Paro gehört zu den schwierigsten Landebahnen der Welt und wenn man sieht wie nah das Flugzeug den umliegenden Bergen kommt und wie rasant der Abstieg vonstatten geht, weiß man auch warum. Da hat nicht nur einer ein Luftschloss in seinem Bauch bekommen. Heil gelandet, steht man auf einem kleinen Rollfeld und atmet erst einmal tief durch. Bis einem die Umgebung bewusst wird und dann bleibt einem doch wieder die Luft weg, obwohl sie so frisch ist, dass sie an die Alpen von vor 100 Jahren erinnert. Man steht auf einem Flughafen, die Sonne scheint, die Luft ist klar und man hört fast nichts. Auf der einen Seite ein merkwürdiges Gefühl, sind wir doch an den Trubel von einigen der größten Flughäfen der Welt gewöhnt, auf der anderen Seite fühlt man sich schon jetzt der Natur näher. Aber das ist nicht das einzige, was ungewöhnlich an diesem Land ist. 

Bhutan Himalaya Gebirge

Vom Flughafen fahren wir mit einem Kleinbus und unserem neuen Guide und (teilweise) neuen Mitreisenden nach Thimphu. Und obwohl die Straßen wieder eng sind, es ständig auf und ab und in Schlangenlinien geht, ist die Fahrt so viel angenehmer als in “Nepal”, sind die Straßen hier alle asphaltiert und zwar so, als wäre das erst gestern passiert. Hier hat man kein einziges Schlagloch gesehen oder gespürt. Links und rechts wird man jede Strecke von Bäumen und Wäldern begleitet (60% des Landes muss immer mit Wald bedeckt sein, so steht es in der Verfassung!) und trotzdem hat man überall guten Empfang und Internet. Bevor ich hier weiter von Bhutan schwärme, möchte ich euch etwas mehr über dieses unbekannte Land erzählen. Bhutan liegt (wie Nepal) eingequetscht zwischen Tibet und Indien und wird im Norden vom Himalaya-Gebirge beschützt. Seine Größe kann sich mit der Schweiz vergleichen lassen, doch die Bevölkerungszahl kommt nicht einmal auf 1 Million. Damit wird recht schnell klar, wie dünn besiedelt das Land ist. Dennoch hat das Land des Drachen es geschafft, zu einer wirtschaftlichen Größe zu werden. Seit 2008 hat Bhutan eine konstitutionelle Monarchie mit einem parlamentarischen Regierungssystem. Ich glaube, es ist das einzige Land, wo die Demokratie vom König selbst vorgeschlagen wurde. Die Menschen hier lieben ihren König (besonders den alten, aber auch den neuen) und waren sogar eigentlich gegen die Demokratie, aber der König hat sich wie immer durchgesetzt. Da das Wählen noch so jung ist, wird jede Amtsperiode eine neue Partei gewählt und viel ausprobiert. 

Bhutan Flughafen
Willkommen in Bhutan

Bildung und Gesundheitswesen sind kostenlos für jeden Staatsbürger und es werden viele Stipendien vergeben, damit die jungen Menschen im Ausland studieren können (leider sind die eigenen Hochschulen noch nicht ganz so weit). Wie gesagt wurde die Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten enorm ausgebaut, aber wie kann sich das ein so kleines Land leisten, wo doch noch die meisten Menschen in der Landwirtschaft arbeiten? Durch Energie, genauer gesagt, durch Wasserenergie. Durch die vielen Flüsse im Land können sie so viel sauberen Strom produzieren, dass sie damit nicht nur komplett unabhängig sind, sondern auch ihre Nachbarstaaten, insbesondere Indien, beliefern können. Mit so viel Energie betreiben sie als einziges Land sogar ihre eigene Miningfarm und haben ihre Staatskasse mit Kryptowährungen gefüllt. 

Und wem das noch zu wenig Geld ist, der kann sich selbst daran beteiligen, indem er/sie nach Bhutan reist. Vor einigen Jahren hatte Bhutan Probleme mit Touristen, die das Land, die Umwelt und die Traditionen nicht respektiert haben, und es wurden eine Quote und eine Touristensteuer eingeführt. Nur noch 100.000 Touristen bekommen im Jahr ein Visum und pro Kopf kostet jeder Tag in Bhutan $100. Das macht Bhutan nicht nur zu einem exklusiven Reiseziel, sondern auch zu einem teuren. Ich kann euch aber versichern, dass es das Geld wert ist. Die seltene Vergabe des Visums ist aber auch einer der Gründe, warum wir uns für eine geführte Rundreise entschieden haben, bekommt man es doch nur, wenn man einen bhutanesischen Reiseführer einstellt. Man darf sich zwar überall frei bewegen, aber so garantiert man einen Job und mehr Geld, was in die heimische Wirtschaft fließt. Ganz schön clever. 

Bhutan Karte
Bhutan Landschaft

Die Einmaligkeit dieses Landes liegt nämlich an der Kombination aus Modernität und Tradition. Die Apps auf dem Handy, das Bezahlen mit der Kreditkarte überall, das schnelle Internet und all die anderen Dinge sind nur der technologische Fortschritt des Landes, aber die eigentliche Modernität liegt an der Offenheit und Menschenfreundlichkeit der Einwohner. Frauen bleiben bei der Familie und kümmern sich um ihre Eltern und werden daher als “Perle der Familie” angesehen. Die Männer sind es, die zu den Frauen ziehen, sie kommen mit nichts und sie gehen mit nichts. Sobald man zusammen wohnt, gilt man als verheiratet, was etwas lax ist, aber dafür ist die “Scheidung” genauso einfach. Es gibt viele One-Night-Stands, die von der Gesellschaft als normal angesehen werden. Das hat sogar zur Folge, dass es unhöflich ist, nach dem Vater zu fragen, da viele Kinder ihren leiblichen nicht kennen. Das heißt nicht, dass das Volk promiskuitiv ist, sondern einfach nur, dass jeder seinen eigenen Lebensstil wählen kann. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden anerkannt und respektiert. 

Trotz dieser Weltoffenheit und Gelassenheit sind die alten Traditionen immer noch Teil des Alltags und sind sogar in der Verfassung verankert. Die vier Pfeiler der bhutanischen Gesellschaft, die auch die Säulen des Bruttonationalglücks (BNG) sind, sind: nachhaltige Entwicklung, Erhaltung und Förderung der Kultur, Umweltschutz und gute Regierungsführung. Diese Säulen sollen ein ganzheitliches Verständnis von Fortschritt fördern, das über wirtschaftliche Kennzahlen hinausgeht und das Wohlbefinden der Bevölkerung und die Erhaltung der Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Wer kann nach diesen Informationen nicht fasziniert von Bhutan sein? Es ist so ganz anders, als alle anderen Länder, die wir besucht haben. Wer übrigens noch mehr darüber wissen möchte, kann ich nur empfehlen, sich die Rede vom Premierminister von Bhutan anzuhören. 

Bhutan Landschaft
Bhutan Landschaft

Nun waren wir also in Bhutan, genauer gesagt in der 140.000 Seelen Stadt Thimphu. Die Hauptstadt liegt im Westen des Landes und sieht fast nagelneu aus. Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, sah fast unbenutzt aus und hatte einen tollen Ausblick auf die Umgebung. Der größte Teil von Thimphu liegt in einem Tal, was aber immer noch auf einer Meeresspiegelhöhe von durchschnittlich 2500 m ist, und wird umrundet von den etwas höheren Bergen mit 3000-3800 m. Nach unserer Ankunft hatten wir noch etwas Zeit bis zum Abendessen und so nutzten wir das aus und erkundeten die Umgebung. Und jetzt muss ich doch wieder ins Schwärmen geraten, denn die Architektur der Gebäude spiegelt das Land genau wider. Moderne Formen mit traditionellen Elementen (vorrangig bei Fenstern und Türen) findet man bei Wohnhäuser sowie Büros und gehört für mich persönlich zu den schönsten architektonischen Stilen der Welt. Ich habe noch nie so viele Häuser fotografiert wie hier und habe es jedes Mal aufs Neue bewundert. Wie vorher schon erwähnt, ist Bhutan dünn besiedelt und so sind die Straßen meist sehr ruhig, es herrscht wenig Verkehr und auch Ansammlungen von Menschenmassen sind schwer zu finden, selbst in einer “Großstadt” wie Thimphu. 

Thimphu Gebäude
Thimphu Gebäude
Thimphu Gebäude
Thimphu Gebäude
Thimphu Gebäude

Bhutan hat den Buddhismus als seine Staatsreligion und das bedeutet eins: Tempel. Obwohl kein Tempel im klassischen Sinn, sondern eher ein Wallfahrtsort für Buddhisten, gehört die Buddha Dordenma-Statue zu den bekanntesten Attraktionen in Thimphu. Am Stadtrand, auf einer Bergspitze sitzend, überblickt die 51 m hohe, in Gold gefärbte Bronzestatue das ganze Tal. In dem Gebäude darunter befinden sich 125.000 kleine Buddha-Statue und andere wunderschöne buddhistische Relikte. Das bedeutet, dass nicht nur die Statue an sich sehenswert ist, sondern auch das Innere und die anderen Statuen. Der Ausblick über die gesamte Gegend ist nur das I-Tüpfelchen des Besuchs. 

Thimphu Buddha Dordenma-Statue
Thimphu Buddha Dordenma-Statue
Thimphu Buddha Dordenma-Statue
Thimphu Buddha Dordenma-Statue
Thimphu Buddha Dordenma-Statue
Thimphu Buddha Dordenma-Statue

Mitten in der Stadt findet man einen anderen, sehr berühmten buddhistischen Tempel. Der National Memorial Chorten ist eine Stupa mit vergoldeter Spitze, die begleitet wird von riesigen Gebetsmühlen und Kerzen der Gläubigen. Viele ältere Menschen kommen täglich hierher, nicht nur um die Stupa dreimal zu umrunden (wie es der Glaube vorsieht), sondern einfach als Treffpunkt. So ist es kein Wunder, dass wir hier die größte Menschenansammlung von Bhutan gesehen haben, was immer noch gerade einmal so viele waren, wie an einem Mittwochvormittag bei Aldi. Was ich damit sagen will, ist, dass Bhutan ruhig, sehr ruhig ist und obwohl natürlich Menschen da sind, es nie überfüllt ist. Es hebt die Natur hervor, aber für uns Stadtmenschen wirkt es schon fast befremdlich. 

Thimphu National Memorial Chorten
Thimphu National Memorial Chorten
Thimphu National Memorial Chorten

Ganz in der Nähe findet man den am stärksten besuchten Teil der Stadt, die Einkaufsstraßen. In der Mitte befindet sich ein kleiner Platz mit einem Glockenturm in der Mitte. In dieser Gegend kann man sehr gut einkaufen gehen und findet nicht nur typische Souvenirs, sondern kann sich selbst ein traditionelles, bhutanesisches Gewand schneidern lassen. Oder man kann sich, wie Christoph und ich, in ein Café am Rand des Platzes setzen und einfach das Treiben der Menschen beobachten und sacken lassen, dass man nun wirklich in Bhutan ist. 

Thimphu Glockenturm
Thimphu Markt

Das Regierungsviertel besteht aus mehreren Gebäuden, wobei der alte Palast des Königs besonders aus der Masse heraussticht. Der Dechencholing-Palast wird heute nicht mehr bewohnt (das neue Wohnhaus des Königs befindet sich zwar gleich daneben, kann aber nicht eingesehen werden) und dient hauptsächlich repräsentativen Zwecken. Doch bei einem Besuch kann man immer noch die alte Bauweise und die wundervollen Verzierungen bewundern. Auch einen Abstecher in den hauseigenen Tempel sollte man einlegen, repräsentiert er doch den bhutanischen Buddhismus wie kein Zweiter.

Thimphu Dechencholing-Palast
Thimphu Dechencholing-Palast

Wer nun genug von Tempeln und anderen Gebäuden hat, sollte sich das Wildtiergehege anschauen. In diesem kann man nämlich das Takin bestaunen, das Nationaltier von Bhutan. Dieses Wesen sieht aus wie eine Mischung aus Ziege, Antilope und Rind. Sehr schwer zu beschreiben und auf jeden Fall ein Tier, was man so noch nie gesehen hat. Es wird zwar zu den entfernten Verwandten von Ziegen gezählt, aber der Kopf und Körper erinnert doch eher an einen Elch oder ein Rind. Es ist ein friedliebender Pflanzenfresser, den man fast ausschließlich in den Einzugsgebieten des Himalayas findet, insbesondere in Bhutan. Das Wildtiergehege ist schon angelegt und man kann auch noch andere Tiere entdecken, wie Yaks oder lokale Reharten. Man muss dieses Geschöpf mit eigenen Augen gesehen haben, sonst glaubt einem ja keiner, dass so ein Fabelwesen wirklich existiert. 

Bhutan Takin
Bhutan Takin
Bhutan Takin
Bhutan Yak

Von Thimphu aus ging es für uns über den Dochula Pass nach Punakha. Der Gebirgspass ist zwei Dinge bekannt und damit einer beliebter Touristenstopp. Zum einen kann man von hier einen tollen Blick auf das umliegende Gebirge erhaschen, doch bestätigen können wir das nicht, da wir mit dem Wetter Pech hatten und es zu nebelig war, um weiter als 10 m zu sehen. Zum anderen steht hier Druk Wangyal Chorten, ein Kriegsdenkmal, das von der Königin für die gefallenen Soldaten einer 2003 stattfindenden Militäroperation errichtet wurde. Insgesamt sind es 108 Stupas, die sich entlang eines Hügels reihen, und kreieren, wenn man wie wir an nebligen Tagen dort ist, eine mystische und heimgesuchte Atmosphäre. 

Bhutan Dochula Pass Druk Wangyal Chorten
Bhutan Dochula Pass Druk Wangyal Chorten
Bhutan Dochula Pass Druk Wangyal Chorten

Punakha ist eine Kleinstadt nord-östlich von Thimphu mit gerade einmal 6500 Einwohnern. Die Gegend ist ruhig, man hört nur das Wasserrauschen des Flusses und den Wind, der durch die Reisfelder fegt. Was kann man sich also dort anschauen? Penise. Kein Scherz, in ganz Bhutan wird der Phallus des Mannes als Fruchtbarkeitssymbol und Symbol gegen böse Geister und zum Schutz an die Wände der Häuser gemalt. Das ist besonders am Anfang ein sehr gewöhnungsbedürftiger Anblick, haben diese Wandmalereien oft auch Augen. Dass die Ausländer diese Gewohnheit für befremdlich halten, ist auch den Bhutanesen aufgefallen und hat aus einer Tradition einen Handelszweig gemacht. In jedem Souvenirladen findet man Penise in allen Formen, Größen und Farben, als Schlüsselanhänger, Briefbeschwerer oder Kühlschrankmagnet – es gibt nichts, was es nicht gibt. Sobald man die Symbolik dahinter versteht, ergeben die Malereien zwar Sinn, aber kichern wie ein Schulmädchen muss man trotzdem immer wieder. 

Ein kleiner Spaziergang einen Hügel hinauf und man kann sich beim Chimi Lhakhang Tempel von einem großen Holzphallus für Fruchtbarkeit und Schutz segnen lassen. Wer sagt dazu schon Nein? Auch wenn es für uns befremdlich ist, glauben doch sehr viele Menschen daran. Und wenn daran nicht interessiert ist, genießt einfach den schönen Ausblick über die Reisfelder und kleinen Dörfer. 

Bhutan Phallus Symbol
Bhutan Phallus Symbol
Bhutan Phallus Symbol
Punakha Chimi Lhakhang Tempel
Punakha Chimi Lhakhang Tempel
Punakha Chimi Lhakhang Tempel

Natürlich kann man Punakha wandern gehen, den Fluss bewundern, in der Nachmittagssonne einen Kaffee trinken und die Natur bewundern oder man stattet dem Punakha Dzong einen Besuch ab. Der buddhistische Tempel wurde im 17. Jahrhundert als Palast und Festung gebaut und hat seitdem nichts an seiner Imposanz verloren. Beim Überqueren der Brücke konnte man schon einen ersten Blick auf die Mauern des Gebäudes werfen, bevor man vor dem Haupteingang stand. Nach Erklimmen der Stufen findet man sich in einem riesigen Hof wieder, der von kunstvoll verzierten Gebäudekomplexen umrahmt wird. Bei unserem Besuch fand gerade eine Probe für einen traditionellen Tanz statt, der beim nächsten Festival aufgeführt werden sollte. Durch kleine Fenster konnten wir auch einen Blick auf tanzende Mönche erhaschen, aber Fotos oder Videos zu machen war nicht erlaubt. So dürfen wir nur in unserer Erinnerung von diesem Spektakel zehren. Das Kloster ist wirklich eines der schönsten seiner Art und man kann nur hoffen, dass sich weiterhin so gut darum gekümmert wird. 

Punakha
Punakha Dzong
Punakha Dzong
Punakha Dzong
Punakha Dzong
Punakha Dzong
Punakha Dzong

Am nächsten Tag ging es in die andere Richtung, vorbei an Thimphu nach Paro. Durch den bewussten Umweltschutz und die Berge ist es nicht so leicht in Bhutan Straßen zu bauen, daher ist das Straßennetz überschaubar und man muss manchmal eine Strecke zweimal fahren. Das macht aber nichts, entdeckt man doch immer wieder etwas Neues. Zum Beispiel hat unser Fahrer diesmal in der Nähe einer der berüchtigten Miningfarmen gehalten, die ich oben schon erwähnt habe. Man konnte leider nur das Dach sehen, aber für jeden Halter von Kryptowährungen (wie Christoph) ist dieser Ort heiliger Boden, hat Bhutan damit doch mittlerweile ein Vermögen von über 1 Milliarde Dollar in Kryptowährungen angesammelt. Gar nicht schlecht, oder? Damit man etwas von diesem Vermögen abbekommt, kann man an einer der unzähligen, heiligen Ort entlang des Wegrandes beten (oder natürlich für etwas anderes). Man sieht immer wieder Ansammlungen von winzig kleinen Stupas und Gebetstüchern auf einem Hügel, in einer Gesteinshöhle oder bei einem Baumstumpf. Denn egal wo, man ruft die Götter der Natur an und bittet sie um das Gleichgewicht der Welt oder wie in unserem Fall, um eine sichere Reise. 

Bhutan Krypto Miningfarm
Bhutan Krypto Miningfarm
Bhutan Buddhismus
Bhutan Buddhismus
Bhutan Buddhismus

Wir hatten etwas Zeit, da kein Verkehr herrschte (:D) und durften uns in einer Weberei für traditionelle Gewänder umsehen. Von der Covid-Krise war auch Bhutan betroffen und besonders viele Frauen litten darunter, weil Männer ihren Job verloren und sich dem Alkoholismus zugewandt haben. Die Königin hat dagegen eine Initiative ins Leben gerufen, bei der Frauen per Hand wertvolle Kleider weben und dafür Geld bekommen. Das war nicht nur eine gute Tat, so entstehen bis heute einige der schönsten Kleider. Ein von Hand gewebtes Gewand wird von nur einer Frau gewebt und benötigt bis zu 12 Monate. Die Details sind bemerkenswert und so ist es kein Wunder, dass Kleider dieser Art um die 5000€ kosten. Darüber gab es einen Shop, in dem sich Christoph (Jacke) und ich (Taschen) ausgetobt haben, zum Glück aber nicht für 5000€. ;P

Bhutan Weberei
Bhutan Weberei
Bhutan Weberei
Bhutan Weberei

Paro ist eine 15.000 Häuser Kleinstadt, die hauptsächlich aus einer breiten Hauptstraße mit Läden und der alten Festung Rinpung Dzong besteht. Das Kloster steht auf einem kleinen Hügel und so hat man, wie von vielen tollen Orten in Bhutan, eine schöne Aussicht auf die Umgebung. Das Kloster an sich ist zwar gut erhalten, aber nicht sehr außergewöhnlich und sticht leider nicht aus den hunderten von anderen Klöstern hervor. Nur die jungen Mönchsjungen, die ihr Gameboy-Spiel nur kurz unterbrochen haben, um uns Souvenirs zu verkaufen, haben etwas Leben in die Bude gebracht. Obwohl die Bildung kostenlos ist, werden noch immer viele Jungen von ihrer Familie ins Kloster geschickt. Aber eher weil der buddhistische Glaube hier recht stark ist, außerdem heißt das nicht, dass sie für immer Mönche bleiben. Wer genug von den Kinder ausgeraubt wurde (wer kann denen auch etwas abschlagen?), kann im Tal Paro in der Einkaufsstraße noch mehr Geld ausgeben, wenn er möchte. Besonders beliebt ist ein Pilz: Cordyceps sinensis. Er wächst parasitär auf Raupen und man findet ihn nur im Himalaya, daher auch der horrende Preis von ca. $500 pro 100 Gramm. Er gilt in der chinesischen Medizin aber als Wunderheilmittel und ist daher bei der asiatischen Bevölkerung sehr beliebt. 

Paro Festung Rinpung Dzong
Paro Festung Rinpung Dzong
Paro Festung Rinpung Dzong
Paro Festung Rinpung Dzong
Paro Festung Rinpung Dzong

Warum ist Paro also so beliebt bei Touristen und ist in den meisten Reiserouten durch Bhutan inkludiert? Aufgrund des Tigernests. Das Tigernest oder Paro Taktsang, wie es eigentlich heißt, ist ein buddhistisches Kloster, das an einer Felswand 900 m über dem Boden und 3120 m über dem Meeresspiegel liegt. Es wurde 1692 erbaut und kann nur zu Fuß bzw. mit Maultieren erreicht werden. Die Gebäude stehen direkt auf den fast senkrechten Felsnasen, was natürlich einen spektakulären Anblick bietet und was es zu einem der beliebtesten Fotomotiven in ganz Bhutan macht. Das heißt, es stand natürlich auch ganz weit oben auf unserer Liste und so wurde unser letzter Tag in Bhutan dazu genutzt, den Aufstieg zum Tigernest zu wagen. 

Am Berghang gibt es einen großen Parkplatz, an dem die Besucher abgeladen werden und von hier kann es losgehen. Man kann sich ein Maultier mieten, das einem die Hälfte des Weges hinauf trägt und hätte ich vorher die Strapazen einschätzen können, hätte ich das auch gemacht. So ging es also zu Fuß, nur mit einem Wanderstock und einer Flasche Wasser bewaffnet, los. Zuerst ist es ein angenehmer Aufstieg, es gibt noch viel Schatten aufgrund des Waldes und man genießt einfach die Wanderung. Doch nach etwa einer halben Stunde wird der Aufstieg steiler und der Weg felsiger. Nach gut 1 ½ – 2 Stunden kommt man bei einer Plattform, auf der ein Café steht, an. Die erste kurze Pause ist erreicht. Christoph war natürlich schneller und konnte sogar einen Kaffee trinken, während er auf mich gewartet hatte. Von der Terrasse des Cafés hatte man einen tollen Blick auf das Tigernest und einige unserer Mitreisenden (eher die ältere Generation) haben schon diesen Ort ihre Zielgerade gemacht. Obwohl mich schon die erste Hälfte total fertig gemacht hat, war mein Ehrgeiz gepackt und ich wollte es ganz bis zum Tigernest hinauf schaffen. Also los, zur zweiten Hälfte. Zuerst ging es wieder recht steil hinauf, bis es fast zu einer geraden Ebene wurde und aus dem Wandern ein Spaziergang wurde. Wer jetzt aber denkt, dass das Schlimmste überstanden war, hat sich geirrt. Man konnte schon das Kloster von Nahem sehen und dann ging es etliche Steinstufen zuerst hinunter und dann wieder hinauf, insgesamt 700 Stufen. Doch wir haben es geschafft! Christoph war etwas schneller und energetischer als ich, aber wir beide haben es geschafft und waren sehr stolz auf uns. 

Paro Tigernest
Paro Tigernest
Paro Tigernest
Paro Tigernest

Das Kloster an sich ist natürlich etwas kleiner als die anderen Tempel, die wir bis dahin besucht haben. Auch innerhalb des Klosters mussten wir Treppen hinauf und hinab steigen und die Gebetsräume waren sehr viel kleiner als gewohnt. Generell wirkte das Kloster etwas karg, bedenkt man doch, dass alles von unten nur zu Fuß transportiert werden kann. Umso verwunderlicher ist eine große Statue von Guru Padmasambhava, von der man sich wundert, wie die armen Leute es geschafft haben, sie hierher zu kriegen. Leider können wir von diesem Wunder keine Fotos zeigen, da auch hier, wie in den anderen Klöstern, das Fotografieren verboten ist. Natürlich hat jedes Gebäude auch eine Art Terrasse, von der man die herrliche Aussicht über das Tal Paro genießen kann. Nach der Tour durch das Kloster ging es die ganze Tortur wieder zurück, die uns insgesamt über 5 Stunden und ziemlich viel Sauerstoff gekostet hat. Und ja, den Muskelkater habe ich noch zwei Tage später gemerkt. Der Anblick des Tigernests ist wirklich einmalig und wirklich ein Wunder der Architektur. Wenn man schon einmal in Bhutan ist (wo man ehrlicherweise wahrscheinlich nicht so häufig hinfährt), sollte man das Kloster auf dem Berg unbedingt sehen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich bei einem zweiten Besuch bis ganz hinauf zum Kloster hinauf wandern würde. Die Anlage selbst ist nämlich nicht ganz so interessant wie die Ansicht von Außen und Fotos darf man auch keine machen. Der Blick von der Terrasse auf der Hälfte der Strecke würde wahrscheinlich ausreichen, aber wenn man fit genug ist und zum ersten Mal diesen einzigartigen Ort besucht, sollte man sich herausfordern und bis ganz hinauf wandern.

Paro Tigernest
Paro Tigernest
Paro Tigernest

Und schon ist das Abenteuer Bhutan vorbei und ich könnte nicht trauriger darüber sein. Bhutan ist ein Land wie kein zweites und es hat uns von Anfang an fasziniert. Wenn das Essen nicht so schlecht wäre, würde ich mich hier gerne länger aufhalten. Die meisten Menschen sind Vegetarier und Fleisch wird meistens teuer importiert. Viele Gewürze scheinen sie auch nicht zu haben, waren die meisten Gerichte doch etwas lasch. Nur das Chili-Käse-Gericht fand Christoph richtig lecker und das Dessert aus Reis (ähnlich wie Milchreis) war eine nette Abwechslung. Anders sieht es mit Getränken aus, ist das bhutanesische Bier und der Whiskey wirklich empfehlenswert. 

Bhutan Essen
Bhutan Getränke
Bhutan Getränke
Bhutan Getränke

Naja, ein Land kann ja nicht in allen Aspekten perfekt sein. Aber Bhutan kommt schon ganz schön dicht ran. Ich würde jedem ausdrücklich empfehlen, Bhutan zu besuchen, wenn sich die Gelegenheit ergibt und wir selber möchten wiederkommen. Freundliche Menschen, atemberaubende Landschaften, frische Luft, klares Wasser und dazu alte Kultur, die bewahrt wird – kann man sich ein besseres Reiseziel vorstellen?  

Nepal Rundreise

Jeder kennt die merkwürdig geformte Flagge von Nepal (zwei Dreiecke untereinander), aber was weiß man noch über dieses Land? Das Land Nepal ist eingequetscht zwischen Indien und Tibet und der ganze Norden wird vom Himalaya-Gebirge beherrscht. Nepal hat ungefähr eine Fläche von Österreich und der Schweiz zusammengenommen und ist mit 30 Millionen Einwohnern gar nicht so klein, wie man glaubt. Die Hauptstadt Kathmandu ist mit ca. 1 Million Bewohnern bei weitem die größte Stadt.

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Flughafen Lounge

Far Mile Club

In den letzten Jahren sind Christoph und ich sehr viel geflogen. Und ich meine sehr viel. Auf unserer Weltreise hat sich unsere Benutzung von Flugzeugen natürlich drastisch erhöht, denn obwohl wir auch mal den Bus oder die Bahn (besonders innerhalb Europas und Nordamerikas) genommen haben, sind wir im Jahr 2023 auf 39 Flüge gekommen, das heißt wir sind fast jede Woche geflogen und im Jahr 2024 waren es fast 30 Flüge.

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