Die Lebensfrohen

Chengdu Kung Fu Panda

Chengdu

- Kein Kung Fu, dafür aber Pandas

China ist ein großes Land, da ist es ganz natürlich, dass unsere Ziele weit auseinander liegen und wir mit einem Flugzeug von einem Ort zum anderen fliegen. Doch Xi’an und Chengdu liegen keine 4 Stunden voneinander entfernt und daher wollten Christoph und ich mal eine andere Art von Transport ausprobieren. Wie schon in unserem Xi’an-Blogartikel erwähnt, können Zugtickets in China nur 9-7 Tage vorher bestellt werden und da es ausgerechnet auch noch auf die großen Ferien fiel, war es ganz und gar nicht sicher, ob wir Tickets erhalten würden. Wir hatten aber Glück und bekamen zwar nicht für den exakt gewünschten Zug Sitzplätze, aber für einen ähnlichen und glücklicherweise für dasselbe Datum. Wir fuhren also mit durchschnittlich 150 km/h durch hauptsächlich dunkle Tunnel und ein paar kleine Dörfern, um in nicht einmal 4 Stunden Chengdu zu erreichen. 

Chengdu Stadt
Chengdu Stadt
Chengdu Stadt

Genauso wie die Terrakotta Armee der Grund ist, um Xi’an zu besuchen, hat man einen ganz bestimmten Grund, um Chengdu einen Besuch abzustatten: Pandas! Chengdu besitzt eine Auffang- und Zuchtstation für Pandabären. Und ja, auch dafür sollte man rechtzeitig die Tickets buchen. Das haben wir brav getan und auch gleich für den ersten Tag in Chengdu und morgens die Eintrittskarten bekommen, denn dann sind die Pandas aktiver. Also sind wir gleich morgens hin und was war – na klar, Menschenmengen. Zum Glück ist die Anlage riesig und nach den ersten Gehegen verlief sich die Masse etwas, sodass man auch mal in Ruhe irgendwo stehen bleiben und die Pandas beobachten konnte. Wie gesagt, ist der Park wirklich groß und so sind auch die Gehege, schön in die Natur eingebettet mit Wasserbecken, Kletterbäumen und natürlich viel Bambus. Fast jeder Panda hat seinen eigenen Bereich, nur jüngere Pandas sind mit ihren Müttern oder mal zu zweit oder dritt in einem Gehege. 

Chengdu Panda Research Base
Chengdu Panda Research Base
Chengdu Panda Research Base
Chengdu Panda Research Base
Chengdu Panda Research Base

Pandas sind ja eher dafür bekannt, gemütlicher zu sein und viele der Pandas haben wir dementsprechend schlafend oder einfach relaxen gesehen. Wir hatten aber auch Glück und haben einige angetroffen, die rumgegangen sind, gegessen oder im Planschbecken gespielt haben. Rote Pandabären haben wir natürlich auch gesehen, obwohl diese gar nicht mit den großen Pandabären verwandt sind und sogar zuerst so benannt wurden. So süß wie Pandas sind sie aber allemal, daher können wir den Zusammenschluss verstehen. Die Anlage selbst ist wie eine wirkliche Parkanlage angelegt, mit vielen Bäumen und Blumen. In der Mitte steht ein Aussichtsturm von dem aus über das riesige Gelände schauen kann. Das hat uns aber weniger interessiert und außerdem müsste man den extra zahlen. Leider durfte man die kleinen Babys nicht sehen, da der Besucherwirbel zu stressig für sie wäre, aber Pandas ab ca. 6 Monaten dürfen mit ihren Mamas in die Freiluftgehege. Im Laufe des Tages wurden nicht nur die Pandas schläfriger, sondern auch wir, da wir schon über 5 Stunden dort verbracht haben. Gelohnt hat es sich aber auf jeden Fall, denn an den flauschigen Riesenteddys kann man sich nicht sattsehen!

Chengdu Panda Research Base
Chengdu Panda Research Base Roter Panda
Chengdu Panda Research Base Roter Panda
Chengdu Panda Research Base Aussichtsturm

Das war es aber noch lange nicht mit den Pandas, denn in Chengdu findet man an jeder Straßenecke die niedlichen Bären. Sie werden zwar kommerziell ziemlich ausgeschlachtet, aber bei dem süßen Anblick kann man kaum böse darüber sein. Ansonsten ist Chengdu auch sonst eine schöne Stadt. Viele Bäume am Wegesrand, der Fluss, der die Stadt in Nord und Süd trennt und immer wieder anzutreffende Parks lassen die Stadt so grün erscheinen wie keine andere chinesische Großstadt. Leider ist die Luftqualität trotzdem miserabel und es empfiehlt sich, Maske zu tragen. 

Dennoch lohnt es sich, einen Spaziergang durch die Stadt zu machen, obwohl man auch mit der U-Bahn fahren könnte. Die bunte Einkaufsstraße Chunxi Road mit der geschmückten Fußgängerbrücke und den vielen Shoppingläden laden jeden ein, sein ganzes Geld dort auszugeben (besonders natürlich für die Panda-Souvenirs). Direkt neben dem Einkaufsbereich kann man versteckt den Gudashengci Tempel finden, eine ruhige Oase inmitten des eifrigen Geschäftsviertels. Allein durch den Anblick eines kleinen Tempels, umringt von übergroßen modernen Hochhäusern, ist ein Besuch empfehlenswert. 

Chengdu Einkaufsstraße Chunxi Road
Chengdu Einkaufsstraße Chunxi Road
Chengdu Einkaufsstraße Chunxi Road
Chengdu Gudashengci Tempel
Chengdu Gudashengci Tempel
Chengdu Gudashengci Tempel
Chengdu Gudashengci Tempel

Der überlaufende People’s Park mit dem Teegeschäft mittendrin lockt hunderte Besucher an, was man versteht, sobald man selber durch die schmalen Wege schlendert und den großen Teich in der Mitte entdeckt, auf dem man sogar Bootfahren kann. Die alten Kuan Alley und Zhai Alley begeistern mit den altertümlichen Gebäuden aus der Qing-Ming-Dynastie (die Gebäude wurden aber restauriert) und den vielfältigen kulinarischen Verlockungen der Stadt. Instagram ruft und alle folgen dem Aufruf. Nicht nur diese Sehenswürdigkeiten lassen die Stadt Chengdu zu einem besonderen Juwel werden. Egal, wohin man blickt oder um welche Ecke man geht, es gibt immer kleine besondere Orte in der Stadt, die einen überraschen und Lust auf mehr Entdeckungen machen. So schnell wird einem hier nicht langweilig. Es ist nicht so überlaufen wie Xi’an oder laut wie Shanghai kann man hier entspannt seine Freizeit genießen. 

Chengdu Peoples Park
Chengdu Peoples Park
Chengdu Kuan Alley und Zhai Alley
Chengdu Kuan Alley und Zhai Alley

Chengdu ist nicht nur berühmt für seine Pandas, sondern auch für die Sichuan Oper. Kultur lassen Christoph und ich uns selten entgehen und schon hatten wir zwei Plätze reserviert. Traditionell wird sie in einem Teegarten aufgeführt, während man Tee trinkt. In der modernen Zeit findet die Aufführung in einem richtigen Theater statt und den Tee trinkt man einfach vorher zusammengedrängt in einem kleinen Vorraum. Etwas schade, denn es ist eigentlich eine schöne Tradition. Die Oper ist eine andere, wie wir sie von Europa kennen. Sie besteht aus Tanz, Gesang, Akrobatik, Schattenspiel und dem berühmten “Face-changing”. Bei letzterem tragen die Darsteller Masken mit verschiedenen Farben und Emotionen und wechseln diese mit Hilfe von unterschiedlichen Techniken in Sekundenschnelle. Wenn man in dieser Gegend ist, ist es ein absolutes Muss und Highlight. Christoph und ich waren auf jeden Fall fasziniert und begeistert.

Chengdu Sichuan Oper
Chengdu Sichuan Oper
Chengdu Sichuan Oper
Chengdu Sichuan Oper

Die Sichuan Küche ist nicht nur in ganz China weit verbreitet, sondern findet man ebenfalls auf den meisten Speisekarten bei uns Zuhause. Der Ursprungsort des Kung Pao Chicken hat halt so einiges zu bieten in Sachen Kulinarik. Auch der Hot Pot stammt aus dieser Region und so stand es auch auf unserer Liste. Wenn auf der Karte “nur leicht scharf” steht, vertraut dem nicht, es ist garantiert sehr scharf! In der Brühe schwimmen nicht nur Chiliflocken und scharfe Sauce, sondern auch ganze Chilischoten herum, also nichts für schwache Gemüter (und Lea). Christophs glorreiche Idee, auch noch scharf mariniertes Fleisch zu bestellen, hat die Sache nicht besser gemacht und selbst der Reis und das kühle Bier konnten meine Zunge nicht mehr retten. Tee steht hier hoch im Kurs und so gibt es unzählige Teegärten, in denen sich alle versammeln, Karten oder Mahjong spielen und ihren geliebten Tee süffeln. Neben den klassischen Teigtaschen gibt es auch etwas speziellere Gerichte, wie süß-scharfe Nudeln oder “nach Fisch riechendes Fleisch”. Keine Sorge, das ist nur der schlecht übersetzte Name, es schmeckt noch riecht es nach Fisch. Im Gegenteil, es ist ziemlich lecker und hat bei uns nur die philosophische Frage aufgeworfen, was man lieber essen möchte: Fisch, der nach Fleisch riecht oder Fleisch, das nach Fisch riecht? 

Chengdu Essen
Chengdu Essen Hot Pot
Chengdu Essen Hot Pot
Chengdu Essen Kao Pao

Chengdu ist für eine chinesische Stadt ein “ruhiges” Pflaster und eine angenehme Abwechslung. Es verbindet das Bild einer Großstadt mit dem gelassenen Charme einer Kleinstadt und sticht so wirklich hervor, aus den chinesischen Städten, die wir bisher besucht haben. Es gibt hier viel zu sehen und machen, auch in der umliegenden Umgebung. Hier möchten wir noch einmal herkommen, haben wir doch längst noch nicht alles von den Sehenswürdigkeiten abgearbeitet und wer möchte Pandas nicht ein zweites, drittes… Mal sehen? Pandas machen doch alles besser!

Xi’an

Xi’an ist eine 1 Million-Einwohner-Stadt mitten in China. Warum sollte man also diese “Kleinstadt” für chinesische Verhältnisse besuchen? Wegen der weltberühmten “Terrakotta Armee”. Die Grabbeilage von Qin Shi Huang, dem ersten Kaiser Chinas, wurde ca. 210 v. Chr. mithilfe und auf Kosten von tausenden Sklaven und Arbeitern errichtet. Jede Skulptur ist einzigartig und macht die Sammlung von ca. 7000 Soldaten (wobei erst knapp über 1000 wieder zusammengesetzt wurden, der Rest liegt in Scherben) in Lebensgröße eine menschliche Meisterleistung. Zusätzlich dazu gefunden hat man auch mehrere Streitwagen und Pferde aus Ton. Die gesamte Grabanlage ist 56km² groß und ist somit die größte Grabstätte der Welt und nur etwas kleiner als Manhattan. Sie gehört zum UNESCO-Welterbe und fasziniert Archäologen und Geschichtsliebhaber aus aller Welt.

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