Die Lebensfrohen

Chicago Skyline

Chicago

- Wo ist der Wind hin?

Um ehrlich zu sein, stand Chicago nicht auf meiner Liste von Städten, die ich mir unbedingt anschauen muss. In meinem Kopf hatte ich das Bild einer heruntergekommenen, abgewrackten Stadt, in der man an jeder Straßenecke ein Einschussloch finden würde. Christoph war da anderer Meinung und konzentrierte sich eher auf die berühmte Börse und die Federal Reserve Bank. Also nichts wie hin, auch wenn mir die Skepsis ins Gesicht geschrieben stand. Und zuerst wurde mein Eindruck leider bestätigt, hatten wir doch leider keine gute Unterkunft. Eigentlich ist das sogar noch untertrieben, denn es war eine der schlechtesten Unterkünfte, in denen wir je waren. Chicago ist eine sehr in die Länge gezogene Stadt und wir wohnten südlich der Innenstadt, in der Nähe des Stadiums der White Sox (wer es nicht weiß: ein Baseball-Team). Der Stadtteil Bridgeport war so gesehen ganz in Ordnung, viele kleine Einfamilienhäuser, aber die Hauptstraßen waren wieder dreckig und man begegnete so einigen unheimlichen Gestalten. Das ist aber etwas, was jeder amerikanischen Großstadt zu eigen ist und man immer wieder sieht. Doch ist es nicht unbedingt eine Gegend, in der man Urlaub macht (leider zu spät erkannt).

Der einzige Vorteil unserer Unterkunft war die Nähe zu einer Bahnstation. Das Verkehrsnetz in Chicago ist für amerikanische Verhältnisse gut ausgebaut und mit den Bahnlinien kommt man besonders in der Innenstadt schnell von einem Punkt zum anderen. Die Innenstadt hat sich im Fluss der Zeit um den Chicago River herum gebildet. Chicago ist eine Stadt mit einer langen und reichen Geschichte (für amerikanische Verhältnisse) und ist besonders als Handelszentrum bekannt. Chicago ist Sitz der größten Warenterminbörse der Vereinigten Staaten, und der Chicago Board of Trade, der größten Rohstoff-, Futures- und Optionsbörse und zudem befindet sich hier die größte Regionalbörse der Vereinigten Staaten, die Chicago Stock Exchange. Heutzutage kann man leider als Privatperson keine der Börsen mehr besuchen, was für Christoph natürlich eine Enttäuschung war, aber man kann sich die Gebäude immerhin noch von draußen anschauen.

Chicago Skyline Riverwalk
Chicago Skyline Riverwalk 2

Generell lohnt sich ein Blick auf die Architektur der Stadt. In Chicago wurde 1885 das erste Hochhaus der Welt erbaut, das zehnstöckige Home Insurance Building mit Stahlskelett. Und noch heute dominieren die Wolkenkratzer das Stadtbild. Berühmt sind der 442 Meter hohe Willis Tower, der Trump Tower, das Wrigley Building oder das IBM Building. All diese Gebäude haben eine außergewöhnliche Architektur und sind prachtvoller als das vorherige. Dennoch gibt es auch einige Gebäude, die selbst unter denen einzigartig erscheinen. Die Marina City Goldberg ist ein komplett rundes Wohngebäude, direkt am Fluss gelegen. Durch seine Form und den weißen Anstrich sticht es unter den vielen gläsernen Bauten hervor. Der alte Wasserturm von 1869 wurde bis heute mit seinen großen Kalksteinfelsen und seinem “Rapunzelturm” gut konserviert. The Rookery, 1886 von Daniel Hudson Burnham und John Wellborn Root erbaut, zählt zu den berühmtesten und meistfotografierten Gebäuden von Chicago. Das maurisch-gotische Äußere lässt nicht vermuten, dass sich im Inneren eine lichtdurchflutete Eingangshalle befindet. Eine spiralförmige, freitragende Auslegertreppe, führt vom zweiten Stock nach oben. Leider haben wir es nicht geschafft, es uns von innen anzusehen, aber schon Fotos allein lassen einen staunen. Die Union Station gehört wohl zu den schöneren Bahnhöfen, ist er doch ein beliebter Drehort für Filme und Serien. So wurde hier der berühmte Schusswechsel aus dem Film “Die Unbestechlichen” gedreht, den Christoph und ich mit vollem Einsatz nach inszeniert haben. Und das sind nur einige der schönsten Gebäude, die wir durch unsere Streifzüge durch die Stadt kennengelernt haben. Bei mir persönlich hat Eindruck gemacht, dass es nicht nur hochmoderne Türme aus Stahl und Glas sind, sondern viele Architekte haben sich vom Art-Deco-Stil oder anderen älteren Baustilen inspirieren lassen. So erscheint die Innenstadt älter als sie eigentlich ist, hat dadurch aber auch ihren eigenen Stil entwickelt, der sich nur schwer mit anderen amerikanischen Großstädten vergleichen lässt.

Chicago Straßenverkehr
Chicago Straße
Chicago The Rookery
Chicago Kirche
Chicago Wrigley House und Trump Tower

Um die Schönheit der Stadt in vollen Zügen genießen zu können, eignet sich wie immer am besten ein Spaziergang. Und da hat die Stadt doch mal wirklich mitgedacht, hat sie doch extra eine Promenade direkt am Fluss entlang kreiert. Der “Riverwalk” fängt am Lake Michigan an und führt 2 km in die Innenstadt hinein. Es gibt Bootsanleger, Angelpiers, Sitzgelegenheiten, Restaurants und Bars am Weg entlang, die zum Ausruhen und einfach Genießen einladen. Auch Einheimische nehmen dieses Angebot liebend gerne in Anspruch und lassen dort ihren Feierabend ausklingen. Natürlich kann man auch wieder eine Bootstour auf dem Chicago River unternehmen, aber das Schlendern am Ufer hat uns vollkommen ausgereicht.

Chicago Fluss Bootstour
Chicago Fluss Promenade
Chicago Riverwalk
Chicago Fluss

Die Stadt Chicago wird aber nicht durch ihre Gebäude verschönert, sondern auch durch ihre Kunst. Es gibt viele Kunstgalerien und Museen, aber auch öffentlich ausgestellte Kunstwerke. Die Picasso-Statue auf dem Platz vor dem Richard J. Daley Center gehört zu den bekanntesten Statuen der Stadt. Sie ist so riesig, dass Kinder gerne darauf klettern und mit ihr spielen. Aber auch Calder’s Flamingo oder das neunstöckige Wandgemälde von Blues-Legende Muddy Waters beeindrucken und lassen die Innenstadt bunter und fröhlicher wirken. Die berühmteste Skulptur in Chicago ist aber wohl “The Bean” oder das Cloud Gate. Mitten im Millennium Park steht diese metallisch glänzende, wie eine Bohne geformte Skulptur. Um ehrlich zu sein, verstehen wir die Hintergründe dieses Kunstwerks nicht, aber man kann tolle Fotos davon und mit ihr machen. Durch die spiegelnde Oberfläche verzerrt sie die Umgebung etwas, was zu witzigen Selfies führen kann. Bei unserem Besuch war die Skulptur leider eingezäunt, weil sie unter Restaurierung stand, wodurch man leider nicht so nah hin konnte. Aber das ist einfach nur schlechtes Timing. 

Chicago Statue
Chicago Picasso Statue
Chicago "The Bean"

Die Lasalle Street ist wohl die wichtigste Straße der Stadt, beherbergt sie nicht nur etliche Bankgebäude, sondern auch die vorher erwähnten Börsen. Sie ist aber nicht nur für Bankkaufleute oder Architekturliebhaber interessant, sondern auch für normale Touristen, denn viele Luxushotels sind dort stationiert und dienen als Ausgangspunkte für die Erkundung der Stadt. Wir sind dort natürlich wegen der Börsen dorthin gegangen und wegen des Geldmuseums der Federation National Reserve Bank. Hier wird die amerikanische Geschichte des Geldes wiedergegeben mit Dokumenten, Bildern und Ausstellungsstücken, wie alten Münzen und Geldscheinen. Aber es geht auch um die moderne Geschichte und warum man die Federation National Bank benötigt. Mithilfe eines Quizzes kann man auch bestimmen, ob man als Präsident der Nationalbank geeignet wäre. Dieser Teil des Museums ist interaktiv und bietet eine willkommene Abwechslung, ist der Rest des Museums doch etwas öde. Das Museum ist recht klein, aber trotzdem ist die Entwicklung des Geldes wild durcheinandergewürfelt und mit entweder zu viel oder zu wenig Informationen gespickt. Der Würfel mit einer Million Dollar gibt ein tolles Fotomotiv, aber da man nichts anfassen kann, nur nett anzusehen. Das Geldmuseum in Warschau ist um Welten besser und muss sich fast wegen seines kleinen “Bruders” schämen. Man muss also nicht unbedingt hin.

Chicago Federal Bank Reserve
Chicago Geldmuseum Geschichte
Chicago Lasallestreet
Chicago Geldmuseum
Chicago Lasalle Street
Chicago Geldmuseum Geldscheine

Wie gesagt, ist Chicago reich an Geschichte, aber welcher Teil der Geschichte ist interessanter als die berüchtigten 1920er und 1930er Jahre, als die Mafia, Al Capone und die Prohibition ihren Höhepunkt hatten und Chicago das Zentrum dieser Ränkespiele war? Zum Glück gab es auch zu diesem Thema wieder mal eine Free Walking Tour, die wir begleiteten. Das Blumengeschäft, was als Fassade für die Mafia diente, die Einschusslöcher in der Wand einer Kirche (da waren sie, meine befürchteten Einschusslöcher) oder Harry Caray’s Restaurant waren nur einige Stationen auf dieser aufregenden Tour. Besonders der letzte Ort hat nur so vor Geschichte vibriert. Der berühmte Sportmoderator Harry Caray besitzt einige Restaurants und Bars in der ganzen Stadt verteilt und in seinem italienischen Restaurant fand er im Keller den geheimen Raum und Tresor des berüchtigten Gangsters Frank Nitti. Heute kann man dort kostenlos hinabsteigen und sich Zeitungsartikel, Dokumente und den erhaltenen Tresor anschauen. Der Besuch und auch die Tour lohnen sich auf jeden Fall und wer sich noch mehr in die Geschichte einfühlen möchte, kann ja eine der dutzenden Speakeasy-Bars aufsuchen und im Stil der ‘20er einen Cocktail schlürfen.

Chicago Harry Caray Statue
Chicago Frank Nitti Keller
Chicago Mafia Geschichte

Jeder, der ein Fan von Baseball ist, wird es wahrscheinlich wissen, aber Chicago ist Heimat von zwei der bekanntesten Baseball-Teams der USA: den White Sox und den Chicago Cubs. Christoph und ich wollten schon immer eine amerikanische Sportveranstaltung miterleben. Bei Nascar hatten wir schlechtes Timing mit den Veranstaltungsstätten und Football hatte noch keine Saison. Also, auf zum Baseball! Obwohl wir direkt neben dem White Sox-Stadium wohnten, waren die Tickets für das nächste Spiel schon ausverkauft und so blieb uns nichts anderes übrig, als in den Norden zum Wrigley Stadium zu fahren, um dort die Chicago Cubs gegen die San Francisco Giants spielen zu sehen. Leider war ich an diesem Tag krank und Christoph musste alleine dorthin. Nach seinen Erzählungen hatte er aber die Zeit seines Lebens dort. 😀 Eine grölende Menge, ein interessantes Spiel (soweit man davon sprechen kann, wenn man nicht alle Regeln versteht) und dazu ein Bier, Hotdogs und Nachos. Was will das (Männer-)Herz mehr? Die Tickets an sich waren ziemlich günstig und waren ganz gut gelegen, was aber teuer war, waren die Fressalien. Ein Bier = $15. Ein Hotdog = $10. Nachos = $12. Nach einem weiteren Bier würde man pleite gehen. “Vorglühen” wird aber schwierig, denn mal wieder hat der Bundesstaat Illinois ein Gesetz, dass man ein Bier oder andere alkoholische Getränke nicht öffentlich trinken darf. Man kann es also kaufen, aber zum Beispiel nicht auf dem Weg ins Stadion trinken. Das wusste Christoph am Anfang nicht und musste sich zwischenzeitlich vor der Polizei verstecken. Das nehmen die Amerikaner leider sehr ernst und daher sollte man sich über solche Sachen immer vorher informieren.

Chicago White Sox Stadium
Chicago Wrigley Field
Chicago Cubs Baseball

Chicago ist für eine kulinarische Köstlichkeit über die Grenze hinaus bekannt: die Chicago Pizza. Diese Art von Pizza besteht aus einem dicken Teig, geformt wie ein Kuchen, in dem  Soße, Käse und Belag geschichtet werden, um zum Abschluss noch einmal mit Käse überbacken zu werden. Die Pizza ist sicherlich 5-7 cm hoch und gleicht wirklich eher einer Torte als einer Pizza. Einige Restaurants bieten die “Deep-Dish-Pizza” an, wir haben uns aber für die Kette Lou Malnati’s Pizzeria entschieden, da diese besonders bekannt dafür ist. Ein “Must-Eat” für Touristen und daher mussten wir auch eine halbe Stunde auf einen Sitzplatz warten. Die Pizza war lecker, aber sehr mächtig und einfach zu viel. Man wurde schon nach einem Stück satt. Zum Glück konnten wir den Rest mitnehmen. Hier sollten die Augen wirklich nicht größer als der Magen sein, denn jeder wird sich hier überschätzen. Sie war ein Erlebnis und wir würden sie auch wieder essen, aber wir präferieren doch die klassische Pizza.

Chicago Deep Dish Pizza
Chicago Pizza Käsefäden

Die Innenstadt von Chicago hat mich positiv überrascht und gehört wohl jetzt zu meinen liebsten amerikanischen Städten. Leider ist der Rest der Stadt nicht ganz so schön, obwohl wir auch wesentlich schlimmere Ecken in Amerika gesehen haben. Chicago ist anders und das ist auch gut so. Sie sollte viel mehr beworben werden und oben auf der Liste stehen, von jedem, der durch die USA reist. Warum sie die Stadt der Winde heißt, haben wir leider nicht miterleben können, hatten wir doch strahlendes Wetter und kaum Wind. Doch selbst wenn ein Tornado aufziehen würde, würde es genügend Dinge in Chicago geben, die man drinnen machen könnte. Wir sind begeistert und auch wenn sie mal “Gangsters Paradies” war, ist sie heute “Tourists Paradies”. 😉

Niagara Wasserfälle von amerikanischer Seite

Niagara Wasserfälle

Genau zwischen der Grenze von Kanada und Amerika verläuft der Niagara Fluss, aus dem die berühmtesten Wasserfälle der Welt entspringen: Die Niagarafälle. Nur 1 ½ Stunden Autofahrt benötigt man von Toronto zu dem kleinen Ort, der sich nach den Wasserfällen benannt hat. Mehrmals täglich kutschieren Busse hunderte von Menschen hin und zurück und so entstand an diesem Ort nicht einfach nur eine Touristenattraktion, nein, es ist zu einem einzigen, großen Vergnügungspark mutiert. Unzählige Hotels, Restaurants und Bars sind im Laufe der Zeit entstanden, um die Massen beherbergen zu können.

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New York

New York – Concrete jungle where dreams are made of Wer träumt nicht einmal davon, auf den Straßen von New York umher zu irren? New

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