Die Lebensfrohen

Kuba Flagge

Kuba

- Der zerstörte Traum

Dass Kuba sich nicht mit den USA versteht, ist unlängst überall bekannt, wusstet ihr aber, dass man nach einem Besuch in Kuba nur noch mit einem “echten” Visum nach Amerika einreisen kann? Das heißt, man kann nicht mehr nur noch ein ESTA beantragen, man muss ein viel teureres und mehr Zeit in Anspruch nehmendes Visum beantragen und ausführlich nachweisen, warum man in Kuba war und was man dort gemacht hat. Genau aus diesem Grund stand Kuba erst nach unserer Rundreise durch Amerika auf unserer Zielliste. Aber wie kommt man nach Kuba? Von den USA aus ist es schwierig, denn dann muss man ein spezielles Formular ausfüllen, wobei “Tourist” keine Möglichkeit ist, anzukreuzen. Da man aber keinen Nachweis für etwas anderes hat, fällt diese Option aus. Christoph und ich wollten eigentlich noch andere karibische Inseln anschauen, aber von dort sind die Flüge nach Kuba selten (meistens nur einmal pro Woche) und sehr teuer. Obwohl die Inseln so nah liegen, ist Kuba halt ein sehr abgeschottetes Land. Also haben wir beschlossen, vorher einen kurzen Abstecher zu einem weiteren Strandurlaub in Mexiko einzulegen und von dort nach Kuba zu fliegen. Dieser Umweg hat sich nicht gelohnt (es hat dauernd geregnet, unsere Fahrräder wurden gestohlen und der nächste Strand war super klein), aber endlich sind wir nach Kuba gelangt!

Flug nach Kuba
Flug nach Kuba

Bevor man nach Kuba fliegt, sollte man sich informieren und unbedingt einige Dinge wissen. Erstens: Kuba hat natürlich seine eigene Währung, aber die staatlichen Umrechnungskurse sind absolut verbrecherisch, daher sollte man nie in Kuba bei einer Bank Geld abheben, sondern in Dollar zahlen oder bei der normalen Bevölkerung und auf der Straße sein Geld wechseln. Man sollte auch vorher bei einer Person, der man vertraut (z.B. einem Rezeptionisten), nach dem aktuellen Wechselkurs auf der Straße fragen, ansonsten wird man schnell ausgenommen. So ist das uns passiert, haben wir doch das erste Mal Geld bei einem Taxifahrer ein paar Dollar gewechselt zu einem vermeintlich besseren Kurs als beispielsweise am Flughafen, nur um 10 Minuten später von unserer Gastgeberin zu erfahren, dass er uns ausgenommen hat. Ab dann haben wir nur noch bei ihr Geld gewechselt. 

Zweitens: Kuba ist eine kommunistische Diktatur, das heißt zum einen, man sollte aufpassen, was man sagt und vor allen Dingen über wen man etwas sagt. Für Diffamierung oder eine negative Aussage über das Staatsoberhaupt kann man schnell im Gefängnis landen. Zum anderen ist die Korruption hier sehr hoch, die Bevölkerung ist sehr arm und jeder (und ich meine jeden einzelnen) möchte dein Geld. Natürlich tun die Menschen einem Leid, aber das heißt nicht, dass man sich ausnehmen lassen sollte. Man sollte überall angemessenes Trinkgeld geben, aber nicht exzessiv, und auch nicht für Sachen, die man nicht wollte. Wir wurden öfters auf der Straße angesprochen, in ein Gespräch verwickelt und dann wollten sie uns irgendwohin führen, um dort vom Laden Provision oder von uns “Weggeld” zu erhalten, egal ob wir dorthin wollten oder nicht. Man wird schnell mitgerissen und überrumpelt, aber es ist okay, Nein zu sagen. 

Drittens: Kommunismus bedeutet, dass alles “gerecht” aufgeteilt wird, aber auch, dass Güter nur begrenzt zur Verfügung stehen. Im echten Leben sieht das dann so aus: jede kubanische Familie bekommt eine Wohnung, die ihnen gehört. Nett, oder? Nicht, wenn die Familie aus 10 Personen besteht und all diese Personen sich diese eine Wohnung teilen müssen. Staatliche Beamte, Ärzte, Polizisten, etc. bekommen alle dasselbe Gehalt (ca. $500 im Jahr!), aber wenn man mit ausländischen Gästen zu tun hat, wie Hotelpersonal oder Taxifahrer und Trinkgeld bekommen kann, verdient man das Drei- bis Vierfache. Und ja, dadurch wählen die meisten Menschen hier solche Berufe. Jeder Kubaner bekommt Essensmarken zugeteilt, jeden Monat stehen einem Erwachsenen 500 g Huhn, 500 g Zucker, 250 ml Speiseöl, 6 Eier, 1 kg Mehl und 1 kg Reis zu. Zu wenig? Dann hat man Pech gehabt und man muss die anderen Sachen im fast leeren Supermarkt zu einem unverschämten Preis kaufen. Verknappung gibt es natürlich auch, so ist Milch nur sehr schwer zu bekommen und nur für Kinder bis 6 Jahren bestimmt. Auch Fleisch ist teuer und wird meistens nur auf dem Schwarzmarkt angeboten. Wir waren in einem Supermarkt und dort waren die meisten Regale leer. Nur Pfirsichmarmelade und Tomatensauce in 5 kg Dosen und Alkohol waren im Überfluss vorhanden. Christoph wollte für uns Brötchen bei einem Bäcker für uns kaufen, stellte sich 30 Minuten an, um dann festzustellen, dass er keine bekommt, weil er keine Essensmarke hat. Solche Situationen gehören zum Alltag der Bevölkerung. 

Kuba Havanna

AChristoph und ich wollten einen ganzen Monat in Kuba verbringen und Land und Leute ganz entspannt kennenlernen. Daher buchten wir wieder ein Airbnb (die sind eigentlich verboten, also nicht weitersagen). Die Unterkunft an sich war hervorragend und unsere Gastgeberin war super nett und hat uns mit allem geholfen. Die Lage war eigentlich auch nicht schlecht, mussten wir nur 10 Minuten zur Altstadt von Havanna gehen, aber die Umgebung war heruntergekommen und dreckig. Wir fühlten uns etwas unwohl und haben die Stahltür mit dem riesigen Schloss daran immer vor der Haustür fest verschlossen. Schlussendlich haben wir unseren Aufenthalt von einem Monat auf eine Woche verkürzt. Das lag aber nicht an den Menschen oder an der Umgebung, nein, Kuba hat viele Vorzüge, die ich gleich ausführlich schildern werde. Es war zum einen das Problem der Nahrungsversorgung, denn eigentlich hatten wir ein Airbnb ausgewählt, um oft selber zu kochen und uns zu versorgen. Bei der Lage ging das aber nicht, daher würde ich auch jedem raten, immer in ein Hotel zu gehen, das Frühstück anbietet. Aber der ausschlagende Grund war das Internet. Kein Scherz, sind Christoph und ich doch digitale Nomaden und auch wenn das nicht immer so wirkt, müssen auch wir ab und zu arbeiten. ;P Und das können wir nur mit Internet, aber auf Kuba gibt es nur ein staatliches Netz und das ist so schlecht, dass man sich ins Jahr 1980 zurückversetzt fühlt, wo eine Verbindung mit einem Knacken in der Leitung einhergeht und eine Webseite 15 Minuten zum Laden benötigt. Als ich unseren Flug online umgebucht habe, hat das mehrere Stunden gedauert. Es wäre schneller gegangen, wäre ich zum Flughafen gelaufen und hätte vor Ort umgebucht. Und das ist die ganze Zeit so, naja, nur dann nicht, wenn das Internet beziehungsweise der ganze Strom ausfällt. Kurz gesagt, wir konnten nicht arbeiten. Für eine Woche ist das in Ordnung, aber nicht für einen ganzen Monat und so haben wir unseren Aufenthalt hier abgebrochen. 

Kuba Stromnetz
Kuba leerer Supermarkt
Kuba Müll auf Straßen

Aber nun zu den Dingen, warum man Kuba unbedingt auf seiner Reisezielliste haben sollte. Fangen wir mit der Hauptstadt Havanna an. Die Altstadt ist das Zentrum und das Highlight der größten Stadt auf Kuba. Die Gebäude stammen aus älterer Zeit, wurden aber gut erhalten und gründlich saniert. So erstrahlt der Platz Plaza Vieja trotz Häusern aus den 1560er Jahren im neuen Glanz und die barocke und jugendstilistische Architektur wird toll hervorgehoben. Auch die Barockkathedrale aus 1770 auf dem Plaza Central de La Habana wurde detailgetreu saniert. Selbst der älteste Platz in Havanna, Plaza de Armas, mit seinen Secondhandbuchläden drumherum wirkt eher aufgeräumt als verwittert. Die Altstadt verströmt einen Charme wie ich ihn selten erlebt habe, die kleinen Gassen brummen vor Leben, dennoch ist es nie zu voll, die bunten Fassaden hellen die Stimmung auf und die aus den Restaurants dröhnende lateinamerikanische Musik lädt zum Verweilen und Tanzen ein. Die Atmosphäre ist entspannt und gelöst, es bringt einfach Spaß durch die Gassen zu flanieren. 

Kuba Havanna Platz Plaza Vieja
Kuba Havanna Kirche

Das bedeutet aber nicht, dass man hier keine Kulturangebote bekommt. Besonders im alten Viertel tummeln sich die Museen und historischen Gebäuden. Empfehlen können wir das nationale Kunstmuseum und das Rum Museum. Bei letzterem bekommt man nicht nur für wenig Geld eine anschauliche Führung, sondern auch leckere Kostproben. Wirklich spannend und einen Besuch wert. Die Altstadt liegt direkt an einer Bucht und man kann toll auf der Promenade entlang spazieren. Von dort kann man gut “La Cabaña”, eine Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert, und “Castillo de los Tres Reyes del Morro”, eine weitere Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert und Symbol der seefahrerischen Vergangenheit von Havanna, erkennen. Mit Ausflügen oder indem man einfach selber hinüberfährt, hat man die Möglichkeit, sich die Anlagen von Nahem anzuschauen. 

Kuba Rum Museum
Kuba Rum Museum Havana Club
Kuba Rum Museum
Kuba Havanna “La Cabaña" Festungsanlage
Kuba Havanna “Castillo de los Tres Reyes del Morro” Festungsanlage

Die P.º de Martí-Straße ist nicht nur eine der wichtigsten Straßen in Havanna, sie bildet auch die Grenze zwischen der Altstadt und dem neuen Teil von Havanna. Dass der Parque Central das Zentrum der Stadt bildet, kann man auf einen Blick erkennen, sind doch die prunkvollsten Gebäude drumherum angeordnet. Ein Beispiel dafür ist das im Jahr 1838 erbaute Gran Teatro de La Habana “Alicia Alonso”, die Heimstätte des kubanischen Nationalballetts. Die anderen Gebäude, nicht weniger prachtvoll, beherbergen vor allen Dingen Luxushotels. Doch trotz der internationalen Markennamen sollte man sich nicht verwirren lassen, über 50% gehören der kubanischen Regierung. Die Rädelsführer können nämlich bei jedem (gut laufenden) Geschäft beschließen, es zu verstaatlichen. So ergeht es auch der berühmtesten Bar auf Kuba, die sich an einer Ecke des Platzes befindet. Die Bar “Floridita” ist der Geburtsort des Daiquiris und zweiter Wohnort von Ernest Hemingway, dem in Gedenken sogar eine Statue an der Theke gewidmet wurde. Die Touristenmassen strömen hier nur so rein, die Mixer laufen in Dauerschleife und die Live-Musik verbreitet Lebensfreude. Auch dank von zwei netten Australiern, die wir vorher kennengelernt hatten, hatten Christoph und ich einen phänomenalen Abend dort. Ein Besuch dort ist ein Muss! 

Kuba Havanna Parque Central
Kuba Havanna Parque Central
Kuba Havanna Floridita Bar Hemingway Statue

Gleich neben dem Parque Central wurde das Kapitol, ein Regierungsgebäude, gebaut. Es ist ein genaues Abbild des Kapitols in Washington, D.C., witzigerweise ist es aber sogar 10 m höher, obwohl es von den Ausmaßen insgesamt kleiner ist. Da wollte sich jemand gegen die starken USA behaupten. In der Nähe findet man Chinatown oder eher gesagt Ghosttown, denn seit dem Bürgerkrieg findet man dort keinen einzigen Chinesen mehr. Die jetzige Regierung hat alles beschlagnahmt und die dort wohnende Bevölkerung ist geflohen. Nur noch die Häuser erinnern an die ehemalige Population von Asiaten. Das sind aber nicht die einzigen Menschen, die von Kuba geflohen sind. Allein im letzten Jahr sind 1 Million Kubaner geflüchtet, bei einer Gesamtbevölkerung von 10 Millionen Einwohnern entspricht das 10%! Kein Wunder, ist das Leben der Einheimischen doch von Armut und Verzicht geprägt mit keiner Aussicht auf Besserung. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Im Norden der Stadt gibt es eine Straße, die direkt an der Küste entlangführt. Auf “der längsten Couch der Welt” sitzen abends die Kubaner und Kubanerinnen, trinken und träumen von einem besseren Leben, während sie auf den kaum erkennbaren Schatten der amerikanischen Küste blicken. Der amerikanische Traum ist hier noch groß und viele Familien sammeln jahrelang ihr ganzes Geld, um nur eine Person fortzuschicken, die dann in einem fremden Land arbeitet, um der Familie daheim Geld schicken zu können. 

Kuba Havanna Kapitol
Kuba Havanna
Kuba Havanna Chinatown
Kuba Havanna Küstenstraße
Kuba Havanna Kapitol

Hier möchte ich unseren Guide erwähnen, die uns durch den neuen Teil von Havanna geführt hat. Die junge Studentin hat uns all unsere Fragen (auch die unangenehmen) beantwortet und ausführlich vom alltäglichen Leben erzählt. Sie hat uns sogar mutig von einer Studentendemonstration berichtet, die erst im Monat davor stattfand. Wie die Regierung das Internet und die Telefonleitungen gekappt hat, damit sich die Demonstranten nicht mehr miteinander verbinden konnten. Wie sich Polizisten in Zivil unter die Menge gemischt haben, Prügeleien angefangen haben und das im Fernsehen übertragen wurde, um den Anschein erwecken zu lassen, es handle sich nur eine Massenkampf und nicht um eine Demonstration. Und wie immer noch festgenommene Studenten im Gefängnis sind. So etwas bekommt man nicht in den Nachrichten zu sehen. Und als sie davon gesprochen hat, war sie sehr leise und hat sich immer umgesehen, dass kein anderer zuhört. Da ist es einem kalt den Rücken runtergelaufen. Sie hat uns auch von den Essensmarken, der erschreckenden Unterversorgung in Krankenhäusern (man muss sich seine eigenen Spritzen mitbringen) und den geschobenen Wahlen erzählt. Das klang eher nach Horrorgeschichten als nach Tatsachen. Der aktuelle Präsident von Kuba ist übrigens ebenfalls ein Verwandter von Fidel Castro (auch wenn er einen anderen Namen trägt) und sein Aufenthaltsort ist übrigens nicht einmal der eigenen Bevölkerung bekannt. Das sagt auch einiges aus…

So streiften wir ihren Geschichten lauschend durch die Gegend von Barrio Chino und Cayo Hueso. Die Bezirke sind Wohnviertel mit nur einigen Restaurants und Bars dazwischen. Die Häuser sind selbst als Ruinen wunderschön, aber verfallen, anders kann man es gar nicht beschreiben. Überall rieselt der Putz ab, es fehlen manchmal ganze Steine in der Außenmauer und die von allen Ecken herausschauenden Kabel lassen einen einen großen Bogen um jeden Hauseingang machen. Generell sollte man nur auf der Straße gehen und nicht auf den Gehwegen, auch wenn diese vorhanden sind. Uns wurde von Einheimischen bestätigt, dass die reale Gefahr besteht, dass man ansonsten von herabfallenden Steinen erschlagen werden kann. Die Kubaner leben tatsächlich mit dem ständigen Wissen, dass sie an ihrem eigenen Haus sterben könnten. Unser letzter Halt der Tour war das genaue Gegenteil. Der sich auf einem Hügel befindende Palast ist das Hotel Nacional​ de Cuba. Ein Luxushotel der Extraklasse und war in den 1930er und 1940er Jahre beliebter Urlaubsort der amerikanischen Mafia. Von der Terrasse aus hat man einen wunderschönen Ausblick über das Meer und Malecon Habanero, der vorher erwähnten Promenade. Auch wenn man kein Gast in dem Hotel ist, kann man sich den dazugehörigen Park anschauen. Diese Free Walking Tour durch Havanna können wir nur von ganzem Herzen empfehlen, hat sie uns doch ein Kuba gezeigt, dass man ansonsten als Tourist nie kennenlernt. 

Kuba Havanna
Kuba Havanna
Kuba Havanna

Das ist aber nicht die einzige Art Havanna zu erkunden. Die bunten Oldtimer-Autos findet man in ganz Kuba und sind ein beliebtes Fotomotiv. Sie sind mehr als ein Transportmittel, sie sind Kult. Und da sie Touristen aller Art anziehen und man mit ihnen gutes Geld verdienen kann, werden sie auch in einem Top-Zustand gehalten. Wer in einem rumkutschiert werden möchte, der geht einfach zum Zentralplatz und schon wird man von einem der dutzenden Fahrer angesprochen. Aber auch hier aufpassen und lasst euch nicht abzocken! Eine Fahrt von einer Stunde kostet nur $30-35 und wer dann noch möchte, kann ja noch Trinkgeld geben. Es gibt eine kleine und eine größere Runde von 1 ½ Stunden. Da wir schon einiges von Havanna gesehen haben, haben wir uns für die kleinere entschieden und sind in einem schicken, pinken Cabrio durch die Gegend gebraust. Viel Verkehr herrscht hier nämlich nicht und man gleitet ohne größere Verzögerungen durch die kurvigen Straßen, vorbei an der Universität, einigen Parks und dem Denkmal des ehemaligen Präsidenten José Miguel Gómez bis zum Platz der Revolution. Der riesige Platz wird umrundet von Amtsgebäuden, Denkmäler zu Ehren der Helden der kubanischen Revolution und des José-Martí-Denkmals. Der riesige Marmorturm gedenkt dem kubanischen Schriftsteller und Unabhängigkeitskämpfer und beherbergt heute das Heimatmuseum. Dank der Weitläufigkeit eignet sich der Platz hervorragend als Fotostudio für Fotos mit dem Oldtimer, die netterweise von unserem Chauffeur gemacht wurden. Die warme Brise auf der Haut, die Art Déco Gebäude schwimmen an einem vorbei und man findet Gefallen an dem karibischen Lebensgefühl. Ein lohnenswerter Ausflug, der ganz oben auf jeder Aktivitätenliste für Kuba stehen sollte. 

Kuba Oldtimer
Kuba Autofahrt in Oldtimer
Kuba Platz der Revolution
Kuba Platz der Revolution

Was verkörpert aber die kubanische Lebensweise besser als die Zigarre? Ob Männer oder Frauen, nach Feierabend oder im Kreise von Freunden, die Zigarre wird geraucht und gehört zu den Kubanern wie ihr Rum. Daher stand ein Besuch einer Zigarrenfarm auf unserem Pflichtprogramm. Viele der Plantagen liegen ca. 3 Stunden entfernt von Havanna im Viñales Tal. Die Gegend beeindruckt durch saftiges Grün eingebettet zwischen Bergen und Tälern und ist daher allein schon einen Ausflug wert. Eine wunderschöne Umgebung, die man am besten von der Aussichtsplattform beim Hotel Los Jazmines bewundern kann. Der Platz ist kostenlos und wird von einigen Reiseveranstaltern angefahren. Zurecht, gilt er doch als einer der schönsten Ausblicke in ganz Kuba. Viñales ist nicht nur bekannt für idealen Bedingungen des Tabakanbaus, sondern auch für die dutzenden Höhlen, besonders beliebt bei Kletterern, und der Felsmalerei Mural de la Prehistoria. Das Wandgemälde zeigt in 12 Szenen die Evolutionsgeschichte Kubas dar. Das 120 Meter hohe und etwa 160 Meter breite Kunstwerk soll eines der größten auf der Erde sein und muss, um die Leuchtkraft der Farben zu erhalten, regelmäßig restauriert werden. Es ist ein beeindruckendes Werk, das umso interessanter wird, umso näher man herantritt, denn erst dann bemerkt man, dass die Zeichnungen nur aus einzelnen Strichen bestehen und sich das Gemälde erst zusammensetzt, wenn man weiter weg davon steht. Und trotz der Farbenvielfalt fügt es sich perfekt in die atemberaubende Landschaft drumherum ein. Ein Geniestreich des Künstlers Leovigildo González Morillo, bravo!

Kuba Viñales Tal
Kuba Viñales Tal
Kuba Felsmalerei Mural de la Prehistoria
Kuba Felsmalerei Mural de la Prehistoria im Detail

Aber wir sind hier ja nicht für die schöne Natur hingefahren, sondern für die Zigarren. Auf einer Tabakplantage wurde uns vom Besitzer eine Führung über seine Farm gegeben. Naja, Besitzer ist zu viel gesagt, denn auch hier macht die Regierung ihren Schnitt, obwohl das Land schon seit Generationen in Familienbesitz ist. Das Feld, die Pflanzen, die Ernte, die Trocknung und schließlich das fertige Produkt, jeder Schritt wurde uns ausführlich erklärt und, wenn möglich, demonstriert. Hat schon jemand ein Tabakblatt angefasst? Nach der Trocknung sind diese nämlich ganz elastisch und weich, ganz anders als man sich das vorstellt. Nach einer Definition, was die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Zigarrenarten sind, durften wir uns sogar eine davon aussuchen und sie rauchen. Christoph und ich haben jeweils eine probiert und sogar mir als Nicht-Raucher (Christoph ist auch Nicht-Raucher, raucht aber ab und zu eine Zigarre) hat sie geschmeckt, war vom Tabak nichts mehr zu schmecken und nur ein angenehm rauchiges Aroma blieb im Mundraum. Man konnte Zigarren auch direkt von der Farm kaufen, was sich total gelohnt hat. Die Zigarren sind dann ohne Emblem und Etikett, dafür kostet sie aber nur ein Fünftel vom handelsüblichen Verkaufspreis. Selbst auf Kuba sind Zigarren so teuer, sobald sie über eine Ladentheke gehen. So kostet eine nicht außergewöhnliche Cohiba, die wohl berühmteste und auch für nicht Aficionados bekannte Marke um die 80-100$ pro Stück! Die Regierung möchte schließlich ihren Teil abschneiden, aber wenn einem das Statussymbol nicht so wichtig ist, sollte man die Zigarren auf der Straße kaufen, denn dann geht erstens das Geld direkt an die Bevölkerung und der Geschmack bleibt gleich. Man kann übrigens bis zu 50 Zigarren mit in die EU nehmen, aber man sollte daran denken, dass man die Zigarren recht bald rauchen sollte. Denn selbst in einem Humidor verlieren sie irgendwann ihren einzigartigen Geschmack und das wäre bei diesem Produkt wirklich eine Schande. 

Kuba Tabakplantage
Kuba Zigarren Tabakplantage

Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt und auch wenn es eine weite Fahrt und der Tag lang war, gab es viele interessante Dinge zu sehen und zu tun. Wir haben viel über Zigarren gelernt, aber das war uns noch nicht genug. Ich habe im Internet eine Aktivität gefunden, bei der man selbst Zigarren rollen kann in einem privaten Haus in Havanna. Also nichts wie los. Eine ältere Dame hat uns ihr Wohnzimmer zur Verfügung gestellt, eine junge Dame hat uns Guide und Übersetzerin begleitet und ein junger Mann hat uns Zigarrenrollen beigebracht. Eigentlich arbeitet er in einer Zigarrenfabrik und Ausschussware darf er mitnehmen und für private Zwecke verwenden. Nun saßen wir zu zweit an einem Tisch und haben mit Bedacht die Schritte von ihm kopiert. Und das war schwieriger als man denkt, man muss sanft, aber gleichzeitig mit genügend Druck arbeiten. Erst dann versteht man wirklich, warum die Ausbildung dafür 10 Monate dauert. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt bis eine halbwegs anständige Zigarre dabei herauskam und ich muss leider zugeben, dass Christoph etwas besser damit zurechtkam als ich. Ich meine, seine Zigarre war jetzt kein Meisterwerk, aber deutlich besser als meine. Aber das war nicht weiter schlimm, wurden wir doch beide damit belohnt, dass wir unsere selbstgemachten Zigarren danach auf der Terrasse rauchen durften. Dazu wurde Kaffee und Rum gereicht und dieses Pairing hat uns die Augen für die Vielfältigkeit einer Zigarre geöffnet. Rum und Kaffee ändern ihren Geschmack, wenn sie mit dem Rauch der Zigarre kombiniert werden. Die Verkostung war spannend und lecker und danach waren wir noch größere Zigarrenfans als nach der Plantage. Auch wenn man Nicht-Raucher ist und Zigarren nicht viel abgewinnen kann, sollte man sich damit auf Kuba beschäftigen, gehört es hier nicht nur zum Lebensgefühl, sondern ist auch ein wichtiger Bereich auf dem Arbeitsmarkt. In Havanna kann man auch eine Zigarrenfabrik besuchen und den Arbeitern wortwörtlich beim Rollen auf die Finger schauen, das wäre vielleicht für diejenigen interessanter, die nicht an dem Verzehr selbst interessiert sind. Für alle anderen empfehle ich mit Nachdruck dieses Erlebnis, so bekommt man einer tieferen Eindruck und noch mal ein ganz anderes Verständnis für die Thematik. 

Kuba Zigarren
Kuba Zigarren rollen
Kuba Zigarren selber herstellen
Kuba Zigarren und Rum
Kuba Zigarren rauchen

Kuba ist eine karibische Insel mit tropischem Wetter und zu einer Insel in der Karibik gehören natürlich wunderschöne Sandstrände. Ein Bus vom Zentralplatz fährt direkt zum nächstgelegenen Strand, Santa Maria. Eine halbe Stunde später standen wir schon barfuß an einem weißen Strand und dem blauen Meer im Hintergrund. Der Strand war leider etwas verdreckt und obwohl der Himmel absolut wolkenfrei war, blies der Wind ganz schön auf und produzierte große Wellen. Kein guter Auftakt, um ehrlich zu sein, aber das änderte sich, nachdem wir eine kleine Strandbar gefunden hatten. Ein leckeres Mittagessen und einige Mojitos später (obwohl es keine echten Mojitos waren, denn ihnen fehlte die Minze), hielten wir ein kleines Nickerchen auf einer Strandliege. Die Sonne schien, das Rauschen des Meeres bildete eine beruhigende Geräuschkulisse und die warme Brise brachte ab und zu eine angenehme Brise zum Abkühlen – das Leben war perfekt und wir genossen jede Sekunde. Abends ging es wieder mit dem gleichen Bus zurück, aber Achtung, denn es kann zu Verspätungen kommen. Es ist drumherum eine sehr ruhige Gegend und ein Taxi findet man hier nicht so leicht. Also entweder mit dem Bus fahren oder einen privaten Fahrer für den Tag buchen. Wie gesagt, war der Strand an sich nicht so schön, aber das war nur ein kleiner Abschnitt und die privaten Strände der Resorts haben wahrscheinlich ein anderes Kaliber. Die Strände in Kuba sollte man also nicht auslassen, denn auch die gehören zum karibischen Lebensgefühl. 

Kuba Strand
Kuba Mojito und Cuba Libre

Dass Lebensmittel hier ausgehen oder einfach nicht vorhanden sind, ist in Kuba keine Seltenheit. Und das bezieht auch Restaurants mit ein. Am ersten Abend waren Christoph und ich in einem kleinen Restaurant etwas abseits des Massentourismus und wir hatten die Auswahl zwischen Huhn und Schwein. Keine Karte, kein Menü, nur diese Auswahl – Punkt. Oft besteht die Karte der Restaurants nur aus drei oder vier Gerichten. Das heißt aber nicht, dass diese Gerichte schlecht sind. Ganz im Gegenteil, die kubanische Küche ist sehr lecker. Bei einer Insel mitten im Meer ist es natürlich, dass Fisch, Krabben und Hummer fast immer auf der Karte stehen, denn frischer geht es fast nicht. Christoph hat das voll ausgenutzt und fast jeden Tag einen Hummer genossen, konnten wir es uns doch leisten, denn das Essen in Kuba ist sehr günstig. So kostet ein Hummer hier ca. 8€, andere Hauptgerichte 4-5€ und Cocktails sind mit 3€ natürlich Wucher. ;P Das Nationalgericht Ropa Vieja besteht aus Rindfleisch, Reis und Gemüse und sollte man auf jeden Fall probieren, wenn man die Gelegenheit dazu hat (gibt es nicht immer, da Rindfleisch seltener ist). Der Mix aus spanischer, afrikanischer und karibischer Küche lässt jeden Gaume verzücken und durch die niedrigen Preise sollte man jedes Gericht auf der Karte einmal ausprobieren. Fast schon teuer sind die Restaurants San Cristóbal und La Guarida, gelten sie doch als “IN”-Lokale und verköstigten schon Prominente. Auch wenn man im “La Guarida” nicht essen geht, sollte man sich das Gebäude anschauen, ist es doch mit seiner Marmortreppe, den Verzierungen und der Dachterrasse eine echte Augenweide und wahrscheinlich einer der schönsten Häuser im neueren Teil von Havanna. “San Cristóbal” wurde uns von einem unserer Tourguides wärmstens empfohlen und gutes Essen schlagen wir nie aus. Man sollte aber vorher reservieren, denn es ist sehr gut ausgebucht. Das ganze Restaurant ist schicker als viele der anderen Restaurants, die Atmosphäre, die Einrichtung und auch das Essen sind einer gehobeneren Küche angepasst. Die Cocktails und die Gerichte, die wir hatten, waren hervorragend und gehörten auf jeden Fall zu den besten Leckerbissen, die wir in Kuba hatten. Und auch wenn es mehr gekostet hat, war dieses “mehr” nur 50€ für zwei Personen. Zum Abschied haben wir sogar jeweils noch eine Zigarre als Geschenk erhalten. Für jeden Gourmet sollte “San Cristóbal” auf der Must-Eat-Liste stehen. 

Kuba Lobster Essen
Kuba Essen
Kuba San Cristobal Restaurant
Kuba Restaurant Terrasse

Kuba war ein faszinierendes Abenteuer, von dem wir noch in dutzenden Jahren erzählen werden. Kuba war so ganz anders als die Länder, die wir zuvor besucht hatten, und ist wahrscheinlich einzigartig auf der Welt. Die Insel Kuba ist wunderschön, die Menschen sind freundlich (auch wenn manche etwas aufdringlich sind), das Wetter ist gut und das Essen lecker, man kann sich kaum etwas besseres vorstellen. Doch leider ist der Staat Kuba das genaue Gegenteil. Hier wurden Ideale von der Realität, der Gier, der Korruption und des Machtwahnsinns mancher Menschen komplett zerstört und übrig geblieben ist ein Scherbenhaufen. Zerstörte Gebäude, Armut, Knappheit, die Menschen überleben nur knapp und das alltägliche Leben ist hart. Der Traum auf ein besseres Leben in einem anderen Land ist die letzte Hoffnung für diese Menschen und hält sie am Leben. Wer zu jung ist, um die DDR oder die UdSSR miterlebt zu haben, kann noch jederzeit Kuba besuchen, um dieses Erlebnis nachzuholen. Der Traum vom Kommunismus ist hier auf die harte Realität gestoßen und lässt dieses wunderschöne Land nicht mehr erblühen. Kuba ist auf jeden Fall eine Reise wert, aber man sollte sich vorher gut informieren. Währungskurse, Internetausfälle, Armut und Knappheit sind nur einige Dinge, auf die man vorbereitet sein sollte. Aber gut geplant und gepackt ist Kuba sicherlich einer der faszinierendsten Länder der Welt. 

Miami

Miami – Altersheim oder Trend-Stadt? Florida, der feuchte (hier wortwörtlich gemeint) Traum von allen Pensionisten aus ganz Amerika. Der “Sunshine State” hat mit seiner rund

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Zwischenfazit 2023

2023 haben wir auf unserer Weltreise Länder in Afrika, Südamerika und Nordamerika besucht. Wir haben die tollsten Abenteuer erlebt, gut gegessen und einfach das Leben genossen. Wie es genau war, was unserer Highlights waren und welche Fragen uns nach unserer Rückkehr gestellt wurden, erfahrt ihr hier.

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