Die Lebensfrohen

Jakarta

Jakarta

„The Big Durian“

Indonesien ist gleich Bali. Bali kennt jeder als das Traumziel vieler Urlauber, eine tropische Insel im Nirgendwo, umgeben von weißen Sandstränden, klarem Wasser und Palmen. Warum Christoph und ich aber nicht dorthin geflogen sind, hatte 2 Gründe. Erstens von Singapur aus liegt Bali weiter weg als Jakarta und zweitens hatten wir erst eine Woche davor in Phuket sehr viel Strandurlaub. Zudem präferieren wir das bunte Stadtleben statt einer ruhigen Insel und so flogen wir lieber nach Jakarta, in die Noch-Hauptstadt von Indonesien. Ich sage noch Hauptstadt, denn durch die Nähe zum Meer, ergeht es Jakarta wie vielen anderen Städten auch: es versinkt. Natürlich sehr langsam, aber jedes Jahr holt sich das Wasser mehr Land zurück und so haben die Führungskräfte des Landes entschieden, dass die neue Hauptstadt Nusantara auf der Insel Borneo extra für diese Zwecke von Grund auf neu gebaut wird. Statt Smog, permanenten Stau und Überbelastung durch die Menschenmengen soll die neue Stadt grün und nachhaltig werden. Wenn sie dann mal fertig wird, was in ca. 20 Jahren der Fall sein soll. Wir drücken die Daumen, denn im Moment erscheint uns Jakarta genau so, wie es äußerlich beschrieben wird: völlig überfordert. 

Wir haben wieder in einem großen Gebäudekomplex übernachtet, der zwar alle Annehmlichkeiten zu bieten hatte, aber drumherum war leider nicht sehr viel. Außer einer Shoppingmall, in der wir nicht einkaufen konnten, weil man dort mit einer App bezahlen musste, die nur Einheimischen vorbehalten war. Das erinnerte mich dann doch sehr an Norwegen, einem eigentlich modernen Land, das aber nur modern für die eigenen Leute ist. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch komplizierter gestaltet, denn man benötigt wieder eine extra Karte, auch wenn man nur einmal damit fahren möchte. Zum Glück sind die Taxifahrten recht günstig. Man hat das Gefühl, dass Touristen nicht wirklich willkommen sind und so ist es vorprogrammiert, dass man als Außenstehender recht schnell frustriert zurückgelassen wird. 

Es gibt in Jakarta quasi zwei Zentren, das neue und das alte. Das neue liegt wortwörtlich in der Mitte der Stadt und weist eine Reihe von historischen und kulturellen Wahrzeichen auf. Das Unabhängigkeitsdenkmal, das indonesische Nationalmuseum, die nationale Bibliothek oder das Tugu Tani Denkmal kann man hier entdecken und erkunden. Besonders bekannt ist aber dieses Gebiet für seine beiden wichtigen Religionsstätten. Die Istiqlal-Moschee ist die größte Moschee in Südostasien und kann mehr als 120.000 Gläubige beherbergen. Das Gebäude im modernen Betonstil wird von der riesigen Kuppel und ihren 4 Pfeilern dominiert. Innen sehr schlicht gehalten, bleibt die Moschee nicht wegen ihrer Architektur in Erinnerung, sondern als Zeichen für das Miteinanderleben verschiedener Glaubensgemeinschaften. Denn obwohl der Islam die größte Glaubensgemeinschaft in Indonesien ist, ist es kein muslimisches Land. Buddhismus, Hinduismus und auch das Christentum sind ebenfalls vertreten und haben sogar je nach Region einen größeren Glaubensanteil als der Islam. 

Jakarta Istiqlal-Moschee
Jakarta Istiqlal-Moschee
Jakarta Istiqlal-Moschee

Ein Beweis dafür steht direkt gegenüber der Moschee. Die katholische Kathedrale wurde etwa 70 Jahre vor der Moschee gebaut und ist noch heute die Anlaufstelle für alle Christen in Indonesien. Auch hier ist das Innere etwas bescheiden, aber die äußere Fassade mit dem dunklen Backstein und den weißen Kirchtürmen sticht wiederum hervor. Das Zusammenleben der beiden Religionen ist friedlich, was unter Beweis gestellt wird, wenn der Parkplatz der einen Kirche von den Mitgliedern der jeweils anderen Kirche, während einer wichtigen Messe, zugeparkt wird. Eine Tat der Nächstenliebe, wie man es sich überall auf der Welt wünscht. 

Jakarta katholische Kathedrale
Jakarta katholische Kathedrale

Weiter im Norden der Stadt in der Nähe zum Hafen befindet sich die Altstadt von Jakarta. Das erkennt man an den renovierten Gebäuden aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die während der niederländischen Kolonialzeit gebaut wurden. Besonders am Taman Fatahillah Platz, wo sich das damalige Rathaus und heutige Geschichtsmuseum befindet, wurden die Fassaden gut erhalten und bieten einen tollen Anblick. Die Gegend ist eine Touristenattraktion und man kann sich bunte holländische Fahrräder ausleihen, um die Gegend und klassische Fotomotive zu entdecken. Eines der ältesten Restaurants befindet sich ebenfalls an einer Ecke des Platzes und obwohl die Preise teurer sind als in anderen Gegenden (für Europäer aber immer noch mittelpreisig), ist das Essen lecker und die Atmosphäre ist gemütlich und besonders. Ein Abstecher dorthin lohnt sich also. 

Jakarta Altstadt
Jakarta Altstadt
Jakarta Altstadt
Jakarta Altstadt

In einer Seitenstraße des Platzes befindet sich ganz versteckt ein Laden des klassischen, indonesischen Puppentheaters. Die Puppen sind Scherenschnitte mit vielen Details und Gelenken, die mithilfe von Licht an eine Leinwand projiziert werden. Der Inhaber des Ladens erklärt zuerst, wie diese Puppen hergestellt werden und zeigt dann mit viel Herzblut ein kurzes 10-minütiges Theaterstück. Das bringt wirklich viel Spaß (es ist in gebrochenem Englisch) und man lernt so einiges über die Traditionen und Kultur dieses Landes. Ein kurzer Spaziergang von der Altstadt gen Süden und schon befindet man sich in Chinatown, das wie fast überall von Menschen und gutem Essen nur so wimmelt. Für Hungrige und Feierlustige ist der Ort genau das Richtige. Und wer doch noch etwas Kultur dazwischen quetschen möchte, der kann sich den Yayasan Wihara Dharma Jaya Tempel anschauen. 

Jakarta Puppentheater
Jakarta Puppentheater
Jakarta Chinatown
Jakarta Chinatown

Jakarta liegt auf der Insel Java, einer Landschaft, die bekannt für ihre Vulkane ist. Da muss man doch einen Tagesausflug machen, haben wir uns gedacht und schon ging es los. 3 Stunden Autofahrt entfernt findet man den aktiven Vulkan Tangkuban Perahu. Am Boden der 3 Krater blubbert und dampft es noch und hüllt die grauen Steilhänge in eine mystische Aura ein. Die vielen kleinen Shops und Touristen nehmen dem Ganzen aber wieder den Zauber und so ist die Aussicht zwar schön, aber das Erlebnis an sich leider nur so mittelmäßig. Die Vulkanlandschaft sieht aber nicht nur toll aus, sie bringt auch so einige Vorteile mit sich. Das wäre für Touristen zum Beispiel ein Bad in den heißen Quellen, die man am Fuße der Bergketten überall findet. Hier kann man ein entspannendes Fußbad nehmen, während man gleichzeitig massiert wird, oder in einem der flachen Teiche sitzen und seine Haut von Schweiß und anderem Dreck gründlich reinigen. Doch aufpassen, Frauen dürfen keine Bikinis tragen und sollten, wenn möglich, weniger Haut zeigen. Manchmal gibt es auch getrennte Bäder, darüber sollte man sich vor einem Besuch informieren. 

Indonesien Java aktiver Vulkan
Indonesien Java aktiver Vulkan
Indonesien Java aktiver Vulkan

Der viel größere Nutzen für die Bevölkerung ist aber natürlich der fruchtbare Boden rund um die Vulkane. Die Reisfelder, wie man sie von Postkarten kennt, sind natürlich in den flachen Gebieten zu finden, dort wo das Wasser gut hinkommt. Aber auf dem Weg zu einem Vulkan sollte man auch dort einmal angehalten haben, damit die Postkarte zum Leben erweckt wird. Weite, grüne Felder, die sich leicht im Wind bewegen und die feinen Wasserlinien, wie sie sich durch die Felder schlängeln, lassen die Landschaft so urtümlich und unberührt wirken. Schöner kann die Landschaft kaum werden. Etwas näher zum Berg, wo sich schon Abhänge bilden, wird hauptsächlich Tee angebaut. So sind die Felder zwar immer noch mit grünen Sträuchern bedeckt, aber sie wirken wilder, größer und “benutzter”. Auf eine andere Art ist auch der Ausblick schön, aber als Fotomotiv kommt der Tee nicht an die Reisterrassen heran. Den Tee, den wir am Straßenrand direkt neben einem Teefeld kosten durften, hat uns leider gar nicht geschmeckt. Das kann aber auch einfach an der Zubereitung oder an unserem persönlichen Geschmack gelegen haben. Interessant ist, dass in Indonesien mittlerweile auch weißer Tee angebaut wird, der sonst nur in China zu finden ist. Hoffentlich wird weißer Tee dadurch erschwinglicher und bekannter, der ist nämlich eine Offenbarung für jeden Tee-Liebhaber und hat es verdient, mehr Anerkennung zu bekommen. 

Indonesien Java Reisfeld
Indonesien Java Teefeld

Wenn man Java hört, denkt man an den Kaffee aus Java. Wir hatten aber Interesse an einem anderen Kaffee, genauer gesagt, an dem besten Kaffee der Welt, Kopi Luwak. Wir haben eine kleine Farm besucht, die diesen Kaffee herstellt. Dazu werden Schleichkatzen mit Kaffeebohnen gefüttert, die sie verdauen und wieder ausscheiden. Diese Kaffeebohnen werden wieder eingesammelt und dann wie herkömmlicher Kaffee weiterverarbeitet. Die Schleichkatzen werden artgerecht in Käfigen gehalten und gut behandelt (es soll auch ganz andere Farmen geben) und durch ihre Magenenzyme wird der Kaffee weniger säuerlich und schwächer. Daher ist der Kaffee auch besonders bekömmlich. Diese Methode ist, wie man sich vorstellen kann, aber nicht für den Massenbetrieb geeignet und so ist es kein Wunder, dass der Kopi Luwak nicht nur zu den besten, sondern auch zu den teuersten Kaffees der Welt gehört. Auf dieser Farm durften wir natürlich auch die verschiedenen Sorten kosten, es gab sogar eine Kakaomischung (sehr lecker) und eine super gesunde, gemischt mit Ingwer und anderen Kräutern (nicht so lecker). Für Kaffeeliebhaber ist der klassische Kopi Luwak aber das Beste und so genoss Christoph den Besuch in allen Zügen. 

Indonesien Kopi Luwak Kaffee
Indonesien Kopi Luwak Kaffee

Indonesien ist natürlich nicht nur bekannt für seinen Kaffee, sondern auch für andere Köstlichkeiten. Ein Gericht, was man auch bei uns kennt, ist Nasi Goreng, gebratener Reis mit einer Mischung aus Huhn, Gemüse, Garnelen und Spiegelei. Ähnlich ist Mie Goreng, hier wird aber anstatt des Reis Nudeln verwendet. Kary Ayam (Art Hühnercurry) oder Bakso (Nudel- und Fleischklößchensuppe) sollten auch einmal auf der Probierliste stehen. Aber man sollte aufpassen und vorher nach dem Schärfegrad nachfragen, ansonsten muss man nachher ganz viel Milch trinken. Das Muss der kulinarischen Spezialitäten sind aber die Satay-Spieße. Marinierte Fleischspieße mit einer Erdnusssauce, einfach, aber so gut, dass man nie genug davon haben kann. Wer Obst mag, sollte sich auf jeden Fall nicht die Honig-Ananas entgehen lassen. Ich selber mag nicht so gerne Ananas essen, ist sie mir oft doch zu säuerlich, aber die verwandte Honig-Ananas ist so viel süßer und milder. Da möchte man sich einfach nur reinsetzen und ich hoffe, sie auch mal in einem europäischen Supermarkt zu finden. 

Indonesien Essen
Indonesien Essen
Indonesien Essen

Unser Aufenthalt in Jakarta war zwar interessant, aber mehr auch nicht. Die Stadt selbst ist laut, stickig, chaotisch, dreckig und, um ehrlich zu sein, einfach hässlich. Es ist eine graue Betonstadt ohne viel Grün und dafür umso mehr Dreck. Es gibt nur wenige Gebäude, die Aufmerksamkeit verdienen und so ist ein einfaches Herumstreunen und zu Fuß erkunden langweilig und eher beschwerlich. Die Bezeichnung “große Durian” passt zu Jakarta sehr gut, denn die süßliche Frucht ist zwar sehr beliebt in Asien, uns Europäern ist sie aber vor allen Dingen bekannt für ihren Gestank (mehr über die Durian-Frucht könnt ihr im Artikel “Kuala Lumpur” erfahren). Jetzt verstehen wir auch besser, warum alle nach Bali wollen, denn Jakarta hat nichts zu bieten. Die Insel Java ist schon ein interessantes Ziel mit den Vulkanen, dem Dschungel und der Ruhe und Gelassenheit. Aber Jakarta kann man auf seiner Indonesien-Reise ruhig kurz halten oder gar weglassen und sollten wir noch einmal das Abenteuer Indonesien in Angriff nehmen, werden wir uns sicher auf die kleineren Insel konzentrieren. 

Singapur bei Nacht

Singapur

Singapur ist ein winzig kleines Land eingequetscht zwischen Malaysia und Indonesien und dennoch stellt es beide Länder mit seiner Reputation in den Schatten. Es gilt als eines der sichersten und modernsten Länder der Welt und das mussten Christoph und ich natürlich mit eigenen Augen sehen. Und oh mein Gott, wer auch immer den Begriff “Metropole” erfunden hat, hatte dabei wohl das Bild von Singapur im Kopf.

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Kuala Lumpur

Wer kennt die Hauptstadt von Malaysia? Ganz ehrlich, wahrscheinlich nur die wenigsten und mir erging es nicht anders. Was viele auch nicht wissen, ist dass die 2 Millionen Stadt Kuala Lumpur aber auch Drehpunkt für viele Flüge ist und eine Brücke zwischen Asien und Australien bildet. So haben wir Kuala Lumpur als letztes Ziel in Asien ausgewählt, bevor wir weiter nach Neuseeland fliegen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum wir unbedingt hier einen Stopp einlegen wollten.

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