Die Lebensfrohen

Melbourne

Melbourne

- Die lebenswerteste Stadt der Welt?

Melbourne wurde schon öfters zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt und jedes Mal fühlt sich Christoph in seiner Ehre als Wiener angegriffen. Wien liefert sich mit Melbourne oft ein Wettrennen um diesen besonderen Titel und hat dabei mindestens genauso oft gewonnen wie verloren (wer unserer Meinung nach gewinnt, erfahrt ihr am Ende des Artikels). Abends angekommen, konnte sich Melbourne schon den ersten Pluspunkt ergattern, denn innerhalb der Innenstadt kann man kostenlos die Straßenbahn benutzen. Das ist besonders für Touristen, die sich hauptsächlich in diesem Gebiet aufhalten, besonders angenehm und kostengünstig. Blöd nur, dass sich genau vor unserer Haustür eine Baustelle befand und die Haltestelle der Straßenbahn nicht in Betrieb war. Pech für uns, aber um ehrlich zu sein auch nicht sonderlich schlimm, denn die Innenstadt von Melbourne ist recht überschaubar und man kann die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. 

Gefühlt besteht das CBD (Central Business District) von Melbourne eh nur aus der Swanston und Bourke Street, eine Straße führt von Norden nach Süden und die andere von Osten nach Westen. Links und rechts vollgestopft mit Bars, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten spielt sich hier das Leben ab und beide Straßen sind zu jeder Tag- und Nachtzeit voll mit geschäftigen Menschen. Das kann einem manchmal schon zu viel werden, wenn man sich mit einem schweren, großen Koffer durch das Gewühl zwängen muss und dabei haben die Australier die Angewohnheit, nicht aus dem Weg zu gehen. Auf der anderen Seite gibt es auch immer etwas zu sehen und staunen. Christoph durfte sich zum Beispiel über ein Foto mit Batman freuen oder zahlreiche Straßenmusiker lassen die wehrlose Bevölkerung an ihrem (manchmal nicht vorhandenen) Talent teilhaben. Auf der Swanston Street gibt es übrigens auch einen Aldi, bei dem Christoph und ich vorbeigeschaut haben. Wen es interessiert: Die deutsche Discountermarke sieht kopfüber genauso aus wie in Deutschland. 

Melbourne Swanston Street
Melbourne Swanston Street
Melbourne Swanston Street

Auf der Swanston Street gibt es ebenfalls den Treffpunkt schlechthin. Die State Library of Victoria ist für Jung und Alt gleichermaßen interessant, denn sie ist nicht nur die öffentliche Bibliothek, die von vielen Studenten der nahegelegenen Universität genutzt wird, sie bietet auch einiges an Entertainment. Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Gebäude im viktorianischen Stil ist nicht nur von außen nett anzusehen, der große Lesesaal im Inneren lässt mit seiner großen Kuppel die Bücher regelrecht erstrahlen. Vom obersten Stockwerk hat man eine tolle Aussicht auf den Lesesaal und auf den verschiedenen Stockwerken um den Lesesaal herum gibt es eine kleine Ausstellung zum Thema Bücher. Die Bibliothek bietet aber auch noch andere Ausstellungen an, bei unserem Besuch wurden gerade die Werke von dem Fotografen Rennie Ellis gezeigt. Es gibt auch eine Dauerausstellung, in der man die Rüstung von Ned Kelly bewundern kann. Auch wenn wir vielleicht noch nie etwas von Ned Kelly gehört haben, ist er doch eine Berühmtheit in Down Under und wird auch oft als “Robin Hood von Australien” bezeichnet. Das Ausmaß seiner Lebensgeschichte würde hier den Rahmen meines Artikels sprengen, aber es wurden 3 Filme über ihn gedreht, sogar einen mit Mick Jagger (der nicht besonders gut ist). Zum Glück gibt es aber eine bessere Fassung mit Heath Ledger, die sich wiederum lohnt anzuschauen. In einer Bibliothek herrscht oft eine strenge Stille und diese ist keine Ausnahme. 

Ganz anders sieht es auf dem Platz davor aus, wo das Leben nur so brummt. Touristen stoßen mit fleißigen Studenten zusammen, Paare wechseln sich mit alten Menschen auf den Bänken ab und die restlichen Menschen machen es sich auf der Treppe oder Wiese gemütlich, um das Wetter zu genießen oder den schon vorher erwähnten berühmt-berüchtigten Straßenmusikern zuzuhören. Direkt vor dem Eingang der Staatsbibliothek findet man zwei große Schachbretter, wo sich die unterschiedlichsten Personen miteinander duellieren. Christoph und ich haben dort ebenfalls eine Pause eingelegt und haben ein super spannendes Schachspiel miterleben dürfen. Schließt man nun die Augen, atmet, lässt sich vom Lärm der Menschenmengen berieseln und genießt einfach nur das Sein, kann man sich ein Leben in Melbourne vorstellen. Ja, das Leben ist schön. 

Melbourne State Library of Victoria
Melbourne State Library of Victoria
Melbourne State Library of Victoria

In der Nähe der Bibliothek kann man in der jetzigen Universität das alte Gefängnis von Melbourne besuchen. Der noch erhaltene Teil des Gefängnisses ist nun ein Museum und die Location kann man sogar für Hochzeiten mieten (schräg, aber wer es mag). Vom Innenhof hat man aber eine tolle Übersicht über die umliegenden Häuser, ein kurzer Abstecher lohnt sich also doch. Keine zwei Straßen weiter stößt man auf den Carlton Park, der an sich zwar langweilig ist, ein Park halt, aber die beiden Gebäude in dem Park sind dafür umso sehenswerter. Das Royal Exhibition Building ist eine Kongresshalle und war mal ehemaliger Regierungssitz der Stadt Melbourne. Das Gebäude mit der Kuppel und dem Springbrunnen davor bietet ein tolles Fotomotiv und kann geschichtlich einiges erzählen. Direkt dahinter findet man das Melbourne Museum, das die Geschichte von Melbourne weitergibt und Dinosaurierknochen ausgestellt hat. Wir waren zwar nicht persönlich drin, haben aber gehört, dass es eine schöne Aktivität für Regentage sein soll. 

Melbourne CBD
Melbourne Carlton Park

Folgt man der Straße weiter Richtung des Yarra-Flusses, geht man am jetzigen Parlamentsgebäude vorbei. Angeblich führen von diesem Gebäude geheime Tunnel zum damaligen Rotlichtviertel, welches nur einige Straßen weiter gelegen ist. Ob das nun wahr ist oder nur ein böswilliges Gerücht über das Betragen von Politikern, weiß man nicht, eine nette Anekdote ist allemal. In der parallel zum Fluss laufenden Flinders Street kann man einige interessante Gebäude finden, wie die St. Pauls Kathedrale, das Immigrationsmuseum oder der Federation Square. Der Letztere wurde bei seiner Eröffnung 2002 nicht gerade mit offenen Armen empfangen, ist der Platz an sich nicht gerade schön anzusehen. Der Platz mit seinem umliegenden Gebäudekomplex beherbergt Museen, Cafés, Restaurants und ist Veranstaltungsort für viele kulturelle Veranstaltungen. Mit seinen Unebenheiten und dem Geschmisch aus verschiedenen Steinarten ist der Platz um ehrlich zu sein keine Augenweide, aber versteht man die Symbolik dahinter (die Steine gleichen teilweise den Gehwegen von Melbourne und der Rest stammt aus dem Outback, es symbolisiert also verschiedene Teile von Australien) und begeistert sich für öffentliche Veranstaltungen, wächst der Platz einem ans Herz. Naja, man lernt damit zu Leben, jedenfalls sagen das die Menschen von Melbourne. Gegenüber des Platzes stehen zwei weitere wichtige Gebäude. Die Bahnstation wurde nach dem Vorbild der Bahnstation in Mumbai modelliert (eher schlecht als recht) und das Rathaus ist ebenfalls ein Prachtbau aus dem 19. Jahrhundert. 

Melbourne CBD
Melbourne CBD
Melbourne CBD
Melbourne Federation Square
Melbourne CBD

Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich die Nationalgalerie von Melbourne, an die sich das neu gebaute Balletttheater anschließt, das einen an das Tatü einer Tänzerin erinnert. Von der Dachterrasse der Galerie (kann man über eine Außentreppe erreichen) hat man einen tollen Blick auf den Fluss und das Zentrum von Melbourne. Ebenfalls einen schönen Ausblick hat man von dem Kriegsmal, das weiter südlich entlang der Straße liegt. Der Shrine of Remembrance gedenkt den Kriegsteilnehmern mit Mahnmalen und Ausstellungen, während man gleichzeitig den botanischen Garten drumherum genießen kann. Die Docklands mit dem Marvel-Stadion zeigt eher die moderne Seite von Melbourne, mit verglasten Wolkenkratzern und überteuerten Cafés. 

Melbourne Balletttheater
Melbourne Nationalgalerie Aussicht

Das Melbourne eine Studentenstadt ist, merkt man an den Rock-Einflüssen in so manchen Gassen. Am bekanntesten ist wohl die AC/DC Lane, eine kleine verdreckte Hinterhofgasse, deren Wände nicht nur die weltbekannte Rockband zeigt, sondern auch andere künstlerische Gemälde. Einen Fotostopp ist sie auf jeden Fall wert. In der Degraves Street findet man hippe Lokale und das griechische Viertel sowie Chinatown sind für günstiges und gutes Essen immer bekannt. Schicke Rooftop Bars und heruntergekommene Kneipen wechseln sich gegenseitig ab und zeigen beide Seiten einer modernen Großstadt. 

Melbourne AC/DC Lane
Melbourne AC/DC Lane
Melbourne AC/DC Lane
Melbourne AC/DC Lane

Das Yarra Valley in der Nähe von Melbourne gehört auch zu bekannten Weinbaugebieten Australiens und hat etwas, wofür sich Christoph und ich besonders interessieren: Champagner. Obwohl der sprudelnde Wein nicht als Champagner bezeichnet werden darf, da er nicht in der Champagne hergestellt wurde, hat Moët & Chandon einen Ableger hierher gesetzt. Die Tochterfirma Chandon hat hier eine Farm und produziert Sekt nach Champagner Art. Genau danach haben Christoph und ich uns gesehnt, denn Champagner ist in Asien und Australien um so viel teurer als in Europa. Der Chandon Champagner schmeckt übrigens hervorragend und bietet eine günstigere Option als ein echter Champagner. Die anderen 3 Weingüter auf unserer Weintour waren zwar nicht schlecht, verblassten aber etwas zum fulminanten Auftakt und daher auch in der Erinnerung. Für Weinliebhaber (das heißt für uns) war es ein netter Ausflug und man hat wieder eine neue, im Gegensatz zur Ostküste wesentlich grünere Seite von Australien kennengelernt. 

Australien Yarra Valley
Australien Yarra Valley
Australien Yarra Valley
Australien Yarra Valley
Australien Yarra Valley

Melbourne liegt zwar in einer Bucht versteckt, ist aber auch eine Stadt mit direktem Zugang zum Meer. So findet man auch hier Strände, zum Beispiel im Bezirk St. Kilda. Ob man dort baden gehen kann, ist aber eine andere Frage. Bei unserem Abstecher war es sehr windig, die Wellen peitschten hoch und es regnete leicht, da wir in der Wintersaison da waren. Ob sich das Meer im Sommer beruhigt, wissen wir leider nicht, aber die süße Promenade mit den hübschen Häusern auf der anderen Seite sind trotzdem einen Besuch wert.

In der Nähe gibt es noch einen weiteren Grund, warum man sich in die Gegend verirren sollte: das Third Wave Café. Das Restaurant im amerikanischen Stil ist auf Instagram mit seinen riesigen Portionsgrößen zum Phänomen geworden und hat so viele Neukunden damit gewonnen, dass es zu einer Kette geworden ist. Einmal gesehen, ist natürlich auch Christoph von den Fleischbergen ein Fan geworden und wir mussten uns unbedingt persönlich ein Bild davon machen. Thor’s Hammer besteht aus einer 3 kg schweren Rinderhaxe, umgeben von rauchigen Bacon Mac & Cheese und würzigen Pommes Frites. Dazu gibt es noch kleine Frikadellen, umwickelt mit Speck. Das ist wirklich eine Portion für Götter! Eigentlich werden damit 4-5 Leute satt, aber da wir es uns zu zweit geteilt haben, muss ich nicht erwähnen, dass wir den größten Teil als Doggy Bag mit nach Hause genommen haben (ich glaube, das hat uns noch zwei weitere Tage gefüttert). Es war aber sehr lecker und allein wegen der Videos und Fotos wert. Sie haben übrigens noch andere Monsterportionen im Angebot, wie Burger, Burrito oder Pita. Wenn wir noch einmal die Gelegenheit bekommen, werden wir wiederkommen und die nächste Schlacht schlagen. 

Melbourne St. Kilda
Melbourne St. Kilda
Australien Essen
Australien Essen

Durch Zufall sind wir an einer französischen Bäckerei vorbeigegangen, vor der eine lange Schlange stand. Neugierig wie wir sind, haben wir uns informiert und erfahren, dass die Bäckerei bekannt für ihre außergewöhnlichen Croissant-Variationen ist. Beim nächsten Mal, als wir vorbei geschlendert sind, war keine Schlange dort und so hüpften wir schnell hinein, um den Hype selbst zu kosten. Obwohl das Café sehr klein ist, keine gemütlichen Sitzmöglichkeiten bietet (ist eher für Take Away) und nicht gerade billig ist, sind die Köstlichkeiten dort wirklich ein Gedicht. Die Lune Croissanterie versteht was von seinem Handwerk und sollte von allen Naschkatzen mal beschnuppert werden. Es lohnt sich. 

Australien Essen
Australien Essen

Melbourne ist eine nette Großstadt mit einem überschaubaren Stadtkern, die dennoch viel zu bieten hat. Mit den alten Backsteinhäusern und seltenen Hochhäusern erinnert es wirklich eher an eine Studentenstadt als an ein Wirtschaftszentrum. Es gibt viel zu tun, viel zu sehen und reichlich an kulinarischen Möglichkeiten. Fazit ist also, dass Melbourne eine schöne Stadt ist und wir hier unsere Zeit genossen haben. Ob Melbourne nun lebenswerter ist als Wien, weiß ich aber nicht so recht. Sie hat so einige Vorteile, aber es gab nicht nur schöne und saubere Straßenecken und gefühlt ist auch die Anzahl der Obdachlosen gestiegen im Gegensatz zu Sydney. Melbourne steht immer in Konkurrenz zu Sydney (deshalb musste eine neue Hauptstadt errichtet werden, da sich die beiden nicht einigen konnten, wer die Regierungsspitze beherbergen sollte) und wenn auch wir die beiden Städte vergleichen, hat uns Sydney mehr gefallen. Das würde aber wiederum heißen, dass Sydney auch Wien ausstechen würde. Im Laufe unserer Reise habe ich, um ehrlich zu sein, schon schönere Städte als Melbourne kennengelernt, allerdings auch als Wien (psst, nicht Christoph sagen). Durch die traumhafte Altstadt und weil es die Heimatstadt ist, hat aber schlussendlich Wien die Nase vorn. Das heißt aber nicht, dass wir Melbourne nicht noch einmal besuchen wollen, denn es hat uns gezeigt, wie vielfältig Australien sein kann. 

Sydney Beitragsbild

Sydney

Von Neuseeland ging es wieder 3 Stunden zurück nach Sydney und nur noch 9 Stunden Zeitunterschied zu Daheim. Nun sind wir endlich in Down Under gelandet, dort wo wir eigentlich gar nicht hin wollten. Der Gedanke an drückende Hitze, die sogar Waldbrände verursachen kann, an tödliche Insekten, Schlangen und Spinnen und die schiere Größe dieses Kontinents, die einen so verloren und klein erscheinen lässt, hat uns um ehrlich zu sein, nicht gerade angelockt. Und begonnen haben wir mit der wohl berühmtesten Stadt Australiens – Sydney.

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Perth

Perth

Von Melbourne sind wir nach Perth an die Westküste geflogen. Und zwar 4 Stunden lang, im selben Land 4 Stunden von einem Ort zum anderen zu fliegen, zeigt die wahrhaftige Größe dieses Kontinents und dabei war es nicht einmal von einem anderen Ende zum anderen. Wir sind nun also auf der anderen Seite des Kontinents und wie wir schon in Amerika festgestellt haben, unterscheiden sich die Ost- und Westküste wesentlich voneinander. Wenn man Sydney mit München und Melbourne mit Hamburg vergleichen könnte, wäre Perth Berlin.

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