Die Lebensfrohen

New Orleans Skyline

New Orleans

- Hier tanzen sogar die Alligatoren

Puh, kaum ist man in New Orleans, schon bricht einem der Schweiß aus. Nein, nicht wegen des “heißen” Pflasters, sondern weil die Luftfeuchtigkeit über 90% liegt und das bei Temperaturen über 30°C. Ein Taschentuch und Mückenspray sollten zur Grundausstattung eines jeden New Orleans-Touristen gehören. Aber von dieser Kleinigkeit sollte man sich auf gar keinen Fall aufhalten lassen, diese großartige Stadt zu besuchen, spiegelt sie doch den amerikanischen Süden und dessen Lebensstil wider wie keine zweite. Im tiefsten Louisiana versteckt sich New Orleans in einer Bucht, die mit dem Golf von Mexiko verbunden ist. Dadurch auch die vielen Sümpfe drumherum, die hohe Luftfeuchtigkeit und schwellende Hitze. Die Lage bringt aber auch unzählige Vorteile mit sich, die man schon früh in der Geschichte erkannt und genutzt hat. Der Start eines geschäftlichen Standortes und einer der meistbesuchten Städte in Amerika.

New Orleans Häuser
New Orleans Häuser
New Orleans Häuser
New Orleans Häuser

Bei New Orleans weiß man gar nicht, wo man anfangen soll, also beginne ich dort, wo das Leben tobt: im Zentrum der Stadt. Das Zentrum ist interessanterweise nicht direkt am Golf, sondern auf der gegenüberliegenden Seite, die sich dem Mississippi-Fluss zuwendet. Der Mississippi River gehört zu den längsten und meistbefahrenen Flüssen der Welt und gibt dem Begriff “Lebensader” seine richtige Bedeutung. Auch für New Orleans ist der Fluss überlebensnotwendig, macht es die Stadt doch zu einem wichtigen Handels- und Umschlagplatz für Waren aller Art. Leider bringt das auch einen schlimmen Teil der Geschichte auf den Plan, denn den Hafen liefen alle Sklavenschiffe aus Afrika und Südamerika an, um die Sklaven nach Amerika zu verkaufen. Diesen schrecklichen Augenblick kann und sollte man nicht leugnen und hat in New Orleans wenigstens eine gute Sache hervorgebracht. Die Stadt ist ein Schmelztiegel aller Kulturen, Religionen und Herkünften. Reiche, weiße Menschen aus Amerika und Europa lebten neben armen Sklaven dunklerer Hautfarbe. Im Laufe vermischten sich Sprache, Religionen, Bräuche, Traditionen und Kulinarik miteinander und machten aus New Orleans was es heute ist: ein kunterbunter Haufen.

New Orleans Mississippi River
New Orleans Schauffelraddampfer
New Orleans Schauffelraddampfer
New Orleans Schauffelraddampfer

Durch die Geschichte und Lage zum Mississippi Fluss ist es ja schon fast obligatorisch für Touristen eine Flussfahrt zu machen. Und wie könnte man das stilvoller machen als auf einem Schaufelraddampfer? Eine Stunde fährt man zuerst den Fluss hinunter, bis zum Chalmette Battlefield. Dort kann man aussteigen und sich ein kleines Museum, das Malus-Beauregard House oder einfach weite Wiesen anschauen. Auf diesem Schlachtfeld fand ein wichtiger Kampf zwischen den Amerikanern und Briten im Bürgerkrieg statt, aber um ehrlich zu sein, wenn man sich nicht so sehr für diese Geschichte interessiert, ist es hier recht langweilig. Nach einer halben Stunde ging es aber schon wieder zurück an Bord und man schipperte zurück. Ein Applaus verdient sich unser Reiseleiter bei diesem Ausflug, denn er hat nicht nur mit Witz und Charme von der Stadt New Orleans, seiner Geschichte und den Gebäuden erzählt, die wir auf dem Hinweg gesehen haben. Er hat auf dem Rückweg in aller Einzelheit von der Hurrikan Katrina-Katastrophe aus 2005 erzählt. Wir hingen wie gebannt an seinen Lippen, als er jeden Tag im Detail beschrieben hat, so als wäre man live dabei gewesen. Schrecklich, was damals passiert ist und wie die Behörden klar auf ganzer Linie versagt haben. Nach dieser Erzählung mussten wir erst einmal schlucken und waren umso beeindruckter vom Wiederaufbau der Stadt.

New Orleans Malus-Beauregard House
New Orleans Chalmette Battlefield

Vom Anlegeplatz aus kann man schön am Wasser entlang gehen bis zum Jackson Square, ein kleiner Park, gesäumt mit wunderschönen Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert. Von einer kleinen Aussichtsplattform hat man einen tollen Ausblick auf den Park, die Gebäude und die St. Louis Kathedrale in der Mitte. In den Häusern befinden sich Museen, Wohnungen und Restaurants und Bars. Drumherum spielt sich das touristische Leben mit Straßenhändlern, Künstlern, Pferdekutschen und Handlesern ab. Aber Achtung, hier laufen auch genauso viele Taschendiebe umher.

New Orleans Jackson Square
New Orleans Jackson Square

Gleich hinter dem Park fängt das French Quarter an, der berühmt-berüchtigtste Bezirk in ganz New Orleans. Den Namen trägt diese Gegend übrigens zurecht, sind die Straßen doch eng und mit den Häusern aus alter Zeit gesäumt. Die Architektur ist ein Mix aus spanischen, französischen und kreolischen Elementen, die sich an die Wetterbedingungen hier im Süden anpassen mussten mit großen Fenstern und hohen Decken. Was die Häuser aber zu so einem Augenschmaus machen, sind die verzierten Balkongeländer aus Stahl und die immergrünen Farne, die von den Decken hängen. Dieser Stil ist absolut einzigartig und man sollte es sich nicht entgehen lassen, dort in einer der unzähligen Bars oder Restaurants einzukehren, um ebenfalls die Innenarchitektur bewundern zu können. Wenn man Glück hat, findet man sogar einen versteckten Innenhof mit Garten und genießt dort bei einem kühlen Eistee die Südstaaten-Atmosphäre.

New Orleans French Quarter
New Orleans French Quarter

Ich denke, die meisten Menschen haben schon einmal von der “Bourbon Street” in New Orleans gehört. Die Straße, die sich fast über das ganze French Quarter zieht, gehört wohl zu den berühmtesten Straßen in den USA und ist bekannt als Partymeile und Ausgehviertel. Früher war sie bekannt für ihre coolen und trendigen Jazzclubs, aber Christoph und ich mussten leider feststellen, dass diese wohl traurigerweise der Vergangenheit angehören. Die Straße ist immer noch die Straße schlechthin, wo man sich bis morgens die Füße platt tanzt, aber nicht in lauschigen Jazz Bars, sondern in ganz normalen Clubs, deren Techno-Musik die ganze Straße einlullt. Es werden Shots um $1 verkauft und auch die riesigen Trinkgläser, die mehr als 3 alkoholische Getränke beinhalten können und die wir vorher nur in Las Vegas gesehen haben, sind keine Seltenheit. Die Straße ist laut, dreckig und wird bevölkert von betrunkenen Jungesellen/innenabschieden. Kurzum: Es ist eine ganz gewöhnliche Partyzone geworden, die komplett das romantische Bild der Jazzkultur zerstört. Dennoch spricht natürlich nichts dagegen, wenn mein ein kleiner Partytiger ist und dort feiern geht. Aber man sollte auf sich acht geben, ist diese Gegend besonders nachts leider zu einem gefährlichen Pflaster geworden.

New Orleans Bourbon Street
New Orleans Bourbon Street

Christoph und ich sind kurz durchgegangen, haben ein paar Fotos gemacht und haben dann doch noch einen der wenigen erhaltenen Jazzclubs gefunden. “Fritzel’s European Jazz Pub” wurde, wie der Name vermuten lässt, von einem Deutschen gegründet und ist dennoch zu einer Ikone in der Szene geworden. Klein, urig, dunkel – so wie eine typische Jazz Bar sein sollte. In einer Ecke drehte ein Jazz-Trio voll auf und die Stimmung war munter, aber nicht zu aufgedreht. Ganz in eine Ecke gequetscht, schlürften wir an unseren Cocktails und genossen das bunte Treiben. Ich hatte einen Hurricane (super leckerer Cocktail, der in New Orleans erfunden worden ist) und Christoph hatte, obwohl es die Möglichkeit gab, kein deutsches Bier, sondern einen Sazerac. Der Cocktail enthält Whiskey oder Bourbon, ein bisschen Zucker, Bitter und Absinthe. Schon die Zutatenliste lässt vermuten wie stark dieses Gemisch ist und wurde von Christoph bestätigt, indem er ihn nur in kleinen Schlucken getrunken hat und nach nur einem Glas genug davon hatte. Also nichts für schwache Nerven und Geschmäcker. Kurz darauf waren wir noch in einer anderen Jazzbar, die zwar geräumiger, aber auch weniger gut besucht war. Nach einem teuren Bier und guter Musik machten wir uns wieder auf den Heimweg. Der Abend war sehr nett und lustig, dennoch waren wir enttäuscht von der nicht vorhandenen Jazz-Szene. Später haben wir erfahren, dass man die ganzen Jazz Bars nun im benachbarten Viertel Marigny findet. Leider zu spät gewusst, aber nur ein Grund, noch einmal nach New Orleans zu reisen.

New Orleans Jazz Club
New Orleans Jazz Club

Wie bewegt man sich eigentlich in der Stadt fort? Denn obwohl so ein Flussdampfer viel Spaß bringt und einem die wunderschönen Uferlandschaften zeigt, bringt er einen nicht quer durch die Stadt. Und bei dieser Hitze sind lange Spaziergänge irgendwie auch keine Option. Aber dafür gibt es zum Glück eine fantastische, aber auch sehr touristische Straßenbahn. Die Bahn im alten Stil fährt durch alle Bezirke und macht somit eine kleine Rundreise durch die Stadt. Die Preise gehen auch und so ist es nur verständlich, dass die Bahn sehr schnell überfüllt ist. Dennoch sollte man einmal eingestiegen sein, allein um das Gefühl “Endstation Sehnsucht” zu bekommen und sich in den Straßen von New Orleans zu verlieren.

In der Innenstadt selbst gibt es natürlich weitere Museen, viele Geschäfte, Restaurants oder den French Market, eine überdachte Einkaufsstraße mit kleinen Ständen. Hier zeigt sich auch langsam die Architektur der Moderne mit hohen Wolkenkratzern und schlichteren Backsteingebäuden. In den Wohngebieten der Stadt findet man viele kleine Holzhäuser in bunten Farben, die so der ganzen Stadt etwas Farbenfrohes verleihen. Wer nicht genug von der Einzigartig der südstaatlichen Außengestaltung bekommen kann, der sollte durch den Garden District wandern. Eine Villa wechselt sich mit einem prachtvolleren Grundstück ab. Die meisten Häuser zwei- oder dreistöckige Villen in Weiß mit wundervoll verzierten Terrassen und Balkonen und einem riesigen Garten davor. Einfach nur zum Staunen und Träumen, dass man auch einmal dort leben könnte. Durch den Bezirk mit dem besonderen Charme kann man auch Touren buchen und manche Häuser stehen der Öffentlichkeit sogar offen. Trotz der Hitze lohnt sich ein Abstecher hierher auf jeden Fall. Ich konnte jedenfalls nicht genug bekommen.

New Orleans Garden District
New Orleans Garden District
New Orleans Garden District
New Orleans Garden District
New Orleans Garden District
New Orleans Garden District
New Orleans Garden District

New Orleans verdankt seine Berühmtheit aber nicht nur dem Fluss und Jazz, sondern vor allen Dingen dem Mystischen. Ich spreche hier von Voodoo. Keine nordamerikanische Stadt ist so berühmt für diesen Glauben wie die größte Stadt im Bundesstaat Louisiana. Wenn man das Wort “Voodoo” hört, denkt man sofort an dunkle Kräfte, schrägen Puppen und Blutopfer. Eine uns unvertraute, böse Religion, die man lieber nicht herausfordern möchte. Und dennoch zieht sie einen in den Bann und man möchte mehr über die Mythen hören. Christoph und ich haben an einer Tour über Voodoo in New Orleans teilgenommen, die das Thema wissenschaftlicher anging und nicht nur Schauergeschichten erzählt hat (obwohl sie nicht ganz ausgelassen wurden). Angefangen hat sie im Louis Armstrong Park, der auch den Congo Square umfasst. Der Platz mit seinem riesigen Baum in der Mitte wird bis heute noch von Anhängern des Voodoos genutzt. Jeden Sonntag Nachmittag kann man sich die Bräuche, Tänze und Gesänge anschauen.

New Orleans Louis Armstrong Statue
New Orleans Louis Armstrong Park
New Orleans Louis Armstrong Park

Das “moderne” Voodoo ist eine Mischung aus verschiedenen Religionen aus Afrika, die von den Sklaven mitgebracht wurden, und dem katholischen Glauben. Einmal erklärt, sind die Bräuche und Denkweisen dem Christentum gar nicht so unähnlich, zum Beispiel mit seinen vielen Heiligen. Die ernsthafte Beschäftigung mit der Religion und nicht dem Aberglauben nimmt dem Wort “Voodoo” den Schrecken, leider aber auch etwas den Zauber. Selbst für die berühmten Voodoo-Puppen gibt es eine harmlose Erklärung, wurden sie doch von Sklaven, die nicht die Landessprache sprachen, benutzt, um dem Arzt zu erklären, wo es wehtut. Enttäuscht? Keine Sorge, für diejenigen, die es lieber gruseliger mögen, gibt es auch solche Touren, Friedhöfe und ein Voodoo-Museum. Und wem das immer noch nicht genug ist, kann sich von einem der zahllosen Wahrsager, Handleser oder Kartenleger über den Tisch ziehen lassen. ;P

New Orleans Voodoo
New Orleans Voodoo
New Orleans Voodoo
New Orleans Voodoo

Ein Vorteil bei Mischung der Kulturen ist immer das hervorragende Essen, das daraus entspringt. Und New Orleans ist keine Ausnahme, kann man sich doch hier von morgens bis abends den Bauch vollschlagen mit den köstlichsten Delikatessen der Cajun-Küche. Gumbo, eine Art Eintopf, und Jambalaya, ein Reiseintopf, zählen wohl zu den ungewöhnlichsten Gerichten auf unserer USA-Reise. Und auch zu den leckersten. Die herzhaften Gerichte lösen eine Geschmacksexplosion aus, allerdings muss man auch die Schärfe ertragen. Doch selbst das habe ich hingenommen und jeden Bissen genossen. Da New Orleans so nah am Wasser ist, stehen natürlich Fisch und Shrimps ganz oben auf der Zutatenliste und die meisten Gerichte haben eine Meeresversion. So auch der Po’boy, ein traditionelles Sandwich der Cajun-Küche. Groß, fettig und saulecker. Ich hatte meines mit Krokodilwurst, die dem ganzen eine exotische Note verlieh, es aber nicht weniger lecker machte. Etwas klassischer sind die frittierten Hähnchenstücke, die man nicht nur in Fast Food-Ketten, wie Popeyes, das hier gegründet wurde, findet, sondern auch in allen anderen Restaurants der Stadt. Wer danach noch etwas Süßes vertragen könnte, muss Beignets probieren. Ursprünglich aus Frankreich stammend sind die frittierten, weichen, donutartigen, quadratischen Gebäckstücke, die warm mit Puderzucker bestreut werden, eine echte Offenbarung. Besonders das Café du Monde ist berühmt für diese Kalorienbomben, aber jeder Bissen lohnt sich und beamt einen in die Glückseligkeit.

New Orleans Gumbo und Jambalaya
New Orleans Po'Boys
New Orleans Fried Chicken

Es ist heiß und schwül, stickig und dreckig und doch hat New Orleans einen Charme, den man nicht leugnen kann. Das freie, sorglose Leben des Jazzs sprießt aus jeder Pore dieser Stadt und seine Bewohner sind freundlich und sehr entspannt. Jeder Geschäftsmann würde die Augen verdrehen, aber für Touristen ist es ein toller Ort, um mal ein ganz anderes Amerika kennen zu lernen. Es ist eine einzige große Feier, die die unterschiedlichsten Leute anzieht und das Essen ist hervorragend. Was spricht also dagegen, noch einmal wiederzukommen? Uns hat die Stadt in ihren Bann gezogen und gehört für uns zu den Top 3 Städten in den USA, die wir besucht haben und die wir wieder besuchen würden.

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