
Zugreise Kanada
Zugfahrt durch Kanada – Mäßig und Müßig Kanada ist das zweitgrößte Land der Welt und hat dennoch nur 40 Millionen Einwohner. Das bedeutet eine Menge
Am anderen Ende von Kanada, an der Ostküste, liegt eine kleine Stadt namens Toronto und die ist so ganz anders als Vancouver. Als größte Stadt in Kanada ist sie eher die coole ältere Schwester, die durch Individualität und innerer Harmonie auffällt, wobei der erste Eindruck durch das “gerockte” Image erst einmal negativ sein könnte. Die Stadt ist lauter und dreckiger, man sieht mehr obdachlose Menschen und dennoch schafft es diese Stadt, warm und herzlich zu erscheinen. Christoph und ich haben im Norden der Stadt gewohnt und mussten ca. 20 Minuten zu Fuß zur Innenstadt gehen. Durch das warme, sonnige Wetter, die Herbstfarben, die langsam Einzug hielten und die interessanten Gegenden, durch die wir durch gingen, haben wir diese Spaziergänge jedes Mal genossen und haben uns überhaupt nicht an den langen Fußmarsch gestört. Natürlich gibt es auch hier öffentliche Verkehrsmittel und sogar eine ganz annehmbar ausgebaute U-Bahn, aber wenn wir zu Fuß gehen können, machen wir das auch. Unsere Gegend war ein Mischmasch aus älteren Einfamilienhäusern im Stil der südstaatlichen Holzhäuser und einigen modernen Bürogebäuden. Für jeden war also etwas dabei.
Toronto ist eine Einwandererstadt und das merkt man an jeder Straßenecke. Hier findet man ein chinesisches Restaurant, neben einem afghanischen, neben einem libanesischen, neben einem Italiener. Die Spitze dieses friedlichen Nebeneinanders haben wir auf dem Kensington Markt erlebt. Kleine Stände mit Essen, Getränken oder Handwerkskunst aus aller Welt ziehen die unterschiedlichsten Menschen an und lassen die Menschen zu Klängen verschiedener Musikrichtungen schwanken. So eine harmonische und lebendige Atmosphäre durften wir selten miterleben und haben daher jede Sekunde davon genossen. Definitiv einer der schönsten Märkte, die wir je besucht haben.
Die Innenstadt von Toronto hingegen sind ältere Gebäude, mittlerweile schwerer zu entdecken, werden sie doch von den riesigen, gläsernen Wolkenkratzer der Banken- und Wirtschaftsindustrie überschattet. Das heißt aber nicht, dass es keine alten Gebäude gibt. Das aus 1892 stammende Gooderham Building gleicht dem Flatiron Building in New York bis aufs Haar und befindet sich im Zentrum der Altstadt. Heute beherbergt es eine coole Kellerbar und auf der Rückseite der Außenmauer ist ein Instagram würdiges Wandgemälde zu sehen. Dahinter kann man im Berczy-Park seine Beine vertreten und den außergewöhnlichen Springbrunnen mit lauter Hundestatuen bewundern (haltet Ausschau nach der einzigen Katzenstatue im gesamten Park).
Auch die Osgoode Hall, das alte Rathaus von Toronto, findet man im alten Zentrum der Stadt. Leider wird auch dieses hübsche Gebäude von dem riesigen Platz dahinter überschattet. Der Nathan Phillips Square hat nicht nur eine Eislaufbahn, sondern ist Treffpunkt für sämtliche Touristen, die sich vor dem Stadtnamen abfotografieren lassen wollen. Im Hintergrund ist dann auch das neue Rathaus zu sehen(das ich persönlich hässlich finde, erinnert es doch eher an den sowjetischen Bauklotzstil), das in den Himmel ragt. Ganz in der Nähe befindet sich die Art Gallery of Ontario, die nicht nur bedeutsame Künstler ausstellt, ist das Gebäude an sich doch ein Kunstwerk, stammt es doch von einem der berühmtesten Architekten unserer Moderne, Frank Gehry (der hat z.B. auch die Disney Concert Hall in Los Angeles designt).
Wer hat schon einmal etwas von Terry Fox gehört? Wer es nicht hat, sollte sich unbedingt über diese bewegende und heroische Lebensgeschichte informieren. Da steigen einem glatt die Tränen in die Augen und man kann gar nicht anders als Terry Fox und seinen Mut zu bewundern. So ergeht es auch jedem Kandier und sieht diesen Mann, der gegen den Krebs lief, als Nationalhelden an. In Vancouver gibt es eine Statue und in Toronto brennt dafür die “ewige Flamme” vor der Metro Hall. Ein andächtiger Ort, den man unbedingt in Toronto besucht haben sollte, allein um diesem großen Mann zu gedenken.
Nicht unbedingt schön, aber dennoch bedeutsam ist der CN Tower, zählt er doch mit seinen 553 Metern als Wahrzeichen der Stadt. Heute ist der Fernsehturm wie in jeder Stadt zugänglich für Besucher und dient als Aussichtsplattform. Viel interessanter fanden wir persönlich eher andere, nicht so alte Gebäude. Der Fernsehsender CTV hat zum Beispiel ein Auto aus seiner Wand fahrend, was wahrlich ein Bild für Götter ist. Wer an Sport interessiert ist, findet wohl eher die Hockey Hall of Fame spannender, wird hier doch der Nationalsport der Kanadier ausführlich zelebriert. Ein anderes sehenswürdiges Museum wäre das Royal Ontario Museum im nördlichen Teil der Stadt, das mit seinem ungewöhnlichen Design auffällt, ist doch eine Hälfte im Stil einer alten Kirche gebaut und die andere Hälfte aus gläsernen Spitzen. Schon von außen sehr außergewöhnlich und wie wir gehört haben auch von innen einen Besuch wert.
Ebenfalls im Norden der Stadt hat die Toronto Universität ihren Hauptsitz und wir empfehlen jedem, und nicht nur Studenten, dort einmal durch zu flanieren. Die Gebäude erinnern an die alten Universitäten in England (und somit auch an Hogwarts 🤭) und die freien, großen Flächen mit dem Grün drumherum lassen einen frei atmen und einfach den Tag genießen. Hier möchte man gerne Student sein, auch wenn es nur zum Schein ist. Generell ist Toronto eine tolle Studentenstadt, ist die Stadt doch gut ausgebaut, etwas günstiger als Vancouver (wenigstens ein kleines bisschen), hat viele kleine Läden und eine großartige Bar-Szene. Die wollten Christoph und ich uns natürlich nicht entgehen lassen und sind auf der Partymeile beim “The Yonge St Warehouse” fündig geworden. Die urige Bar hat eine kleine Dachterasse, die zwar niedrig ist, sodass sie von den benachbarten Hochhäusern überschattet wird, aber dadurch ist es auch sehr gemütlich und die Aussicht ist trotzdem gut. Zu annehmbaren Preisen kann man so ausgefallene Cocktails ausprobieren wie Ceasar (mit Muschelsaft) oder Sour Key (auf dessen Boden man einen sauren Gummiring findet). Lustig und lecker, die Bars in Toronto sollte man einmal besucht haben.
Toronto hat viele kleine Parks, die als Ruheoase genutzt werden können, aber wenn man wirklich mal weg von der Stadt möchte, bietet sich Central Island an. Die kleine Insel im Lake Ontario erreicht man mit einer Fähre in einer Viertelstunde und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Kanadier und Touristen sondergleichen. Das Naherholungsgebiet bietet weite, grüne Rasenflächen für Picknicks und zum Spielen, einen kleinen Freizeitpark mit Fahrgeschäften (hat nur im Sommer geöffnet) und hat sogar Strände. Obwohl ich persönlich nicht unbedingt in Kanada schwimmen gehen würde, ist es doch eine tolle Möglichkeit für Einheimische und Menschen, die an Kälte gewöhnt sind. Auf der Insel kann man spazieren gehen, Rad fahren oder sich Kajaks ausleihen und die Insel umrunden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten seinen Tag hier zu verbringen und abends an der Bootsanlegestelle wird man mit einem atemberaubenden Blick auf die Skyline der Toronto Innenstadt belohnt.
Im Blogbeitrag zu “Vancouver” habe ich erwähnt, dass ich finde, dass Kanada nicht wirklich eine eigene Küche hat. Dennoch haben sie ein Nationalgericht. Die “Poutine” besteht aus Pommes mit Käse und Bratensoße überzogen. Klingt merkwürdig? Schmeckt auch so. Das Basis-Gericht kann man etwas abwechslungsreicher mit Fleisch gestalten, aber um ehrlich zu sein, rettet es das auch nicht. Durch die Bratensoße werden die Pommes schnell matschig und durch den vielen Käse werden die ohnehin schon fettigen Pommes Frites noch fettiger. Also, unserem Geschmack hat es nicht entsprochen, aber über Geschmack lässt sich schwerlich streiten. Probiert es am besten selbst und gibt uns dann Rückmeldung. 😉
Eine Erfindung von den Kanadier muss man aber lobend erwähnen: Tim Hortons. Wer noch nichts von dieser Café-Kette gehört hat, sollte das schnellstens ändern, sind wir doch süchtig danach geworden. Eigentlich ähnlich wie Dunkin Donuts bietet Tim Hortons ebenfalls verschiedene Donutvarianten an, aber dazu eben noch so viel mehr. Mit warmen Sandwiches und köstlichen Bagels mit unterschiedlichen Aufstrichen und einer zusätzlichen Vielfalt an Getränken ist es ein besseres (und günstigeres) Starbucks und durch Automaten wie bei McDonalds ist die Bestellung ebenfalls einfacher. Der Laden ist einfach nur klasse und zum Glück so erfolgreich, dass es ihn nicht nur in Kanada gibt. Wir schauen da immer wieder gerne hin. Der “Applefritter” ist eine Offenbarung!
Kanada ist in vielen Punkten den USA sehr ähnlich und das leider nicht unbedingt nur in den guten Punkten. Dennoch ist das Land absolut sehenswert mit seiner unendlichen Weiten und vielfältigen Natur. Christoph und ich sind (und bleiben) nun mal eher Stadtmenschen, aber auch dieser dünn besiedelte Landstrich kann seine Städte vorzeigen. Toronto ist lebendiger und “wilder” als Vancouver, dennoch fühlt man sich sicher und sehr willkommen. Man kann viel unternehmen und hat dennoch erstaunliche Natur gleich vor der Haustür. Wer eine Mischung aus Großstadt und Natur bevorzugt, wird hier sicher nicht enttäuscht werden. Christoph und ich wollen auf jeden Fall noch einmal wiederkommen und dann noch weitere Städte in Kanada erkunden. Wer übrigens nach Kanada reist oder reisen möchte, kann sich schon einmal mit dem Lied “Oh Toronto” von Jamws einstimmen. Das Lied passt zu der Stadt und ist ein totaler Ohrwurm!
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