Die Lebensfrohen

Washington DC von Oben

Washington, D.C.

- Die “weißeste” Stadt

Ah, endlich mal wieder tief durchatmen. Nach den ganzen Großstädten in Amerika können wir endlich wieder saubere Straßen, nur leisen Verkehrslärm, gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel und die frische Luft genießen. Aber Moment mal… sind wir nicht gerade auch in einer amerikanischen Großstadt? Sogar in der Hauptstadt? Richtig, wir sind in der “Hauptstadt der Welt” – Washington, D.C. Wie kann es dann sein, dass diese Stadt so viel aufgeräumter, sauberer und schöner ist als der Rest von Amerika? Ich denke, die Antwort liegt klar auf der Hand. Wie in Brüssel ist die Nähe zur politischen Macht entscheidend, denn auch die feinen Herren und Damen, die die Geschicke eines Landes lenken, möchten es schön und gemütlich haben. Und da es direkt vor ihrer Haustür liegt, wird sich hier natürlich besonders viel Mühe gegeben. Man muss aber zugeben, dass sie großartige Arbeit geleistet haben, denn nach unserem Besuch waren wir begeistert von Washington.

Die Stadt liegt am Potomac Fluss und grenzt an die Bundesstaaten Maryland und Virginia. Als Hauptstadt und Regierungssitz der Vereinigten Staaten von Amerika ist es kein Wunder, dass Washington ziemlich teuer ist und so haben Christoph und ich uns dafür entschieden, in einem Hotel in Alexandria, einer angrenzenden Stadt im Südwesten, zu wohnen. Es ist eine schöne und ruhige Gegend und sehr gut mit der Innenstadt von Washington durch die Bahn verbunden, sodass man keine halbe Stunde ins Zentrum benötigt. In Virginia liegt auch der Ronald Reagan Washington National Airport, das Pentagon (als Ausländer kann man das leider nicht besuchen, es ist nur für Amerikaner zugänglich) und Arlington.

Washington Skyline

Der Arlington Friedhof gehört zu den bekanntesten Friedhöfen und trägt als Militärfriedhof viel Geschichte in sich. In vielen amerikanischen Filmen (z.B. “Der Soldat James Ryan”) werden die schier endlosen Reihen an weißen Grabkreuzen gezeigt, die das schreckliche Ausmaß eines Krieges zeigen. Es gibt ein Besucherzentrum oder man kann auch eine Führung mitmachen, bei der man mit einem kleinen Wägelchen rumkutschiert wird, denn der Arlington Friedhof gehört mit rund 420.000 Gräbern zu den größten Friedhöfen der Welt. Christoph und ich haben uns dennoch daran gewagt, den Friedhof zu Fuß zu erkunden. Es gibt natürlich Gräber, die man auf einem Friedhof besucht haben sollte. In diesem Fall wäre es das “Grab des unbekannten Soldaten”, mit den rund um die Uhr davor stehenden Soldaten. Wenn man es zeitlich einrichten kann, sollte man zum Zeitpunkt des Schichtwechsels kommen, dann sieht man eine Zeremonie. Zudem hat man von dem Hügel aus eine wunderschöne Sicht über die umliegende Landschaft. Gleich dahinter befindet sich das Amphitheater und nicht weit weg davon das Arlington Haus, zwei schöne Gebäude im griechischen Stil. Und dann sollte man noch die letzte Ehre dem Grab von John F. Kennedy erweisen. Das Denk- und Grabmal ist nicht nur schön gestaltet, mit der “ewigen Flamme” davor kann es sogar ein schönes Fotomotiv hergeben, so makaber es auch klingt. Generell ist der Friedhof ein liebevoll gepflegter Ort, an dem man stundenlang spazieren gehen kann und einfach die Ruhe und Natur genießen kann.

Washington DC Arlington Friedhof Amphitheater
Washington DC Arlington Friedhof JFK Grabmal

Wenn man genug durchgeatmet hat, hat man wieder die Energie, sich ins Stadtleben zu stürzen, aber um ehrlich zu sein, benötigt man sowieso nicht viel Lebensenergie dafür. Im Zentrum der Macht steht natürlich das weiße Haus. Den berühmten Blick auf den Garten und den runden Balkon bekommt man übrigens von hinten. Dort kann man sich vor einem großen Zaun fotografieren lassen. Das Haus ist wirklich so weiß wie auf den offiziellen Fotos und wirkt in Echt wesentlich größer. Ob man den Präsidentensitz besichtigen kann, hängt vom amtierenden Präsidenten ab. Wir hatten leider Pech und Besuchern war der Zutritt verboten zu dieser Zeit. Aber gleich in der Nähe gibt es ein kleines, kostenloses Museum, das Einblick in das Innere des Weißen Hauses liefert. Es ging um die Geschichte, die Architektur und das Interieur, aber auch um Zeremonien und Feste, die dort abgehalten wurden und immer noch werden. Es war ganz nett, aber natürlich nichts im Vergleich dazu, wenn man das Weiße Haus direkt besuchen könnte. Schade, aber da müssen wir wohl noch einmal in einer anderen Amtsperiode hierher kommen.

Washington DC White House
Washington DC White House
Washington DC White House Museum
Washington DC White House Museum

Hinter dem President’s Park liegt wohl die wichtigste Straße in Nordamerika, die Constitution Avenue. An dieser Straße liegen alle wichtigen Gebäude von Washington. Fangen wir im Westen an, wo die Straße auf den Fluss trifft. Hier findet man die wichtigsten und wohl auch schönsten Denkmäler. Angefangen mit dem Lincoln Memorial, das berühmt ist für seine übergroße Statue von Abraham Lincoln, der stets das Kapitol im Blick hat. Das Denkmal ist wirklich groß und kann von weitem schnell unterschätzt werden. Es ist wahrlich ein besonderer Anblick und abends ebenfalls einen Besuch wert, denn nicht nur das Denkmal ist erleuchtet, sondern auch der davor liegende “Reflecting Pool”, der nicht nur das Denkmal vom ehemaligen Präsidenten in seiner Oberfläche reflektiert, sondern auch das Washington Monument. Ein beeindruckendes Fotomotiv. 

Das ist aber nicht das einzige Monument, das einer einzelnen Persönlichkeit gewidmet ist. Um den danebenliegenden Tidal Basin See kann man die riesigen Denkmäler zu Ehren von Franklin Delano Roosevelt, Thomas Jefferson und Martin Luther King bewundern, wobei das Denkmal für Roosevelt sogar aus 3 Teilen besteht. Jedes einzelne ist hierbei seine Besuchszeit wert und wurde wirklich durchdacht.

Washington DC Lincoln Memorial
Washington DC Reflection Pool
Washington DC Luther King Memorial
Washington DC Roosevelt Memorial
Washington DC Basin Lake

Aber natürlich soll hier nicht nur einzelnen Personen gedacht werden, sondern auch der Bevölkerung an sich. So findet man um den “Reflecting Pool” herum mehrere Kriegsdenkmäler zu Ehren der gefallenen und kämpfenden Soldaten. Das Vietnam Veterans Memorial ist hierbei wohl das berühmteste, aber auch das umstrittenste, ist es doch kein “klassisches” Denkmal. Eine schwarze Marmorwand gedenkt den darauf stehenden 58.000 im Vietnamkrieg gefallenen oder vermissten Soldaten. Die lange Liste an Namen lässt den Schmerz der Hinterbliebenen erkennen und wird dann doch künstlerisch von den Statuen der “The Three Servicemen” und des Vietnam Women’s Memorial dargestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite hat man das Korean War Veterans Memorial errichtet. 19 lebensgroße Statuen, die die verschiedenen Einheiten im Militär repräsentieren, “kämpfen” sich durch den schrecklichen Krieg und sehen so echt aus, dass man zweimal hinschauen muss. Ein Granitwand erzählt die Geschichte des Krieges und wenn man genau hinschaut, kann man die Gesichter der Soldaten erkennen. Ein berührendes und beeindruckendes Kunstwerk und Denkmal.

Es gibt natürlich auch ein Denkmal für die Helden des Zweiten Weltkrieges. Der ovale Platz befindet sich am Ende des Teiches und besteht aus 56 Granitsäulen, die die amerikanischen Bundesstaaten und Territorien repräsentieren und um einen Springbrunnen herum dekoriert sind. An diesem Denkmal versteckt sich auch das berühmte Graffiti “Kilroy was here”, das im Zweiten Weltkrieg Berühmtheit erlangte und als wichtige moralische Stütze für die Alliierten-Truppen diente. Es gibt übrigens eine Free Walking Tour, die sich mit den ganzen Denkmälern hier beschäftigt und sehr zu empfehlen ist, wir haben dadurch viel gelernt.

Washington DC Vietnam Women's Memorial
Washington DC Vietnam Memorial
Washington DC Vietnam Memorial Statue
Washington DC Korea War Memorial
Washington DC Korea War Memorial
Washington DC Second World War Memorial
Washington DC Second World War Memorial Kilroy

Das Washington Monument befindet sich in der Mitte der ellenlangen Constitution Avenue und ist mit seinen 152 m von überall zu sehen. Der übergroße Obelisk wurde zu Ehren der ersten Präsidenten erbaut, brauchte aber 36 Jahre, um fertiggestellt zu werden. Wenn man genau hinblickt, erkennt man, dass das freistehende Denkmal aus zwei Farben besteht, das liegt an dem Baustopp mittendrin, denn danach wurde der Marmor aus einem anderen Steinbruch verwendet und in der Zwischenzeit waren die vorher gesetzten Steine schon dem Wetter und Erosion ausgesetzt. Um in das Denkmal hineinzukommen, benötigt man eine Buchung. Die Tickets kosten nur $1, aber die Reservierung ist notwendig, aufgrund des starken Andrangs. Man kann die Reservierung entweder online buchen oder für spontane Besucher ist eine begrenzte Anzahl von Tickets ab 8:45 Uhr nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ erhältlich. Das haben Christoph und ich gemacht und Glück gehabt, obwohl schon eine lange Schlange davor stand. Man muss zwar früh aufstehen und dann warten, aber es lohnt sich. 

Mit einem super langsamen Fahrstuhl fährt man 50 Stockwerke hinauf, um dann eine 360°-Aussicht auf die Umgebung zu genießen. Die Fenster sind leider etwas klein, aber wenn man gutes Wetter hat, kann man sehr weit sehen. Der Anblick über die Parkanlage, das Weiße Haus, das Kapitol und den Fluss ist fantastisch und man kann sich gar nicht satt sehen. Man kann sogar das Pentagon auf der anderen Seite des Flusses erkennen. Richtig spannend wurde es aber auf der zweiminütigen Rückfahrt mit dem Fahrstuhl. Durch eine Glaswand konnte man das Innere des Obelisken bestaunen und auch die besonderen Steine, die gespendet wurden, identifizieren. Wenn man schon in Washington ist, sollte man auch keinen Fall dieses Erlebnis entgehen lassen. 

Washington DC Washington Memorial
Washington DC Washington Memorial Aussicht von oben

Vom Washington Monument kann man auf das Kapitol blicken, doch dazwischen liegen ca. 2,2 km an Park und Straßen. Ein schöner Spaziergang von ungefähr einer halben Stunde, wenn man nicht sämtliche Museen, die links und rechts auf dem Weg liegen, besuchen würde. Dann bräuchte man wahrscheinlich 3 Tage. Das National Museum of American History, das National Museum of Natural History, das National Museum of African American History and Culture, das United States Holocaust Memorial Museum, die National Gallery of Art oder das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden – das sind nur einige der Museen, die sich hier befinden und alle sind kostenlos! Egal, ob man Kunst, Wissenschaft oder Geschichte erkunden möchte, für jeden ist etwas dabei. Die enorme Ansammlung ist mehr als beeindruckend und das alles frei der Öffentlichkeit zugänglich ist, verdient einen besonderen Applaus. Schade, dass sie das nicht in allen amerikanischen Städten machen.

Washington DC Constitution Avenue

So eine Einladung konnten wir uns nicht entgehen lassen und da sich Christoph ja sehr für Raumfahrt interessiert, dem Fliegen und dem Universum, haben wir uns für das National Air and Space Museum entschieden. Tipp: Auch hier sollte man vorher einen Timeslot buchen, denn gerade weil es kostenlos ist, ist es schnell überfüllt und aus Sicherheitsgründen können sie nicht alle Besucher gleichzeitig hereinlassen. Das Museum stellt die Anfänge des Fliegens, die Gebrüder Wright, die Entwicklung von Flugzeugen bis hin zur Raumfahrttechnologie vor. Es ist etwas unübersichtlich aufgebaut und es gab sehr viel zu lesen, was auf die Dauer anstrengend wurde. Gegenüber dem Nasa Museum in Houston ist es etwas enttäuschend, aber generell gesprochen ist es gut gemacht und informativ, wenn man an diesen Themen Interesse hat.

Washington DC National Air and Space Museum
Washington DC National Air and Space Museum
Washington DC National Air and Space Museum

Nun kommen wir aber endlich zu einem der schönsten und beeindruckendsten Gebäude der Welt, dem Kapitol. Das weiße, fünfstöckige Gebäude wurde im neoklassischen Stil erbaut und ist bekannt für seine riesige Kuppel und der goldenen Statue von Freiheit obendrauf. Mit seinen über 200 Jahren auf dem Buckel ist es nur natürlich, dass das Gebäude abgerissen, verändert, erweitert und dutzende Male renoviert wurde. Selbst als wir dort waren, waren Arbeiten daran sichtbar. Das hat aber auch sein Gutes, bietet es heute doch genügend Platz, um den Senat, das Repräsentantenhaus, Büros, eine Galerie, ein Museum und eine Bibliothek beherbergen zu können. Schon die Eingangshalle des Besucherzentrums hinterlässt mit seinen Statuen und einem kleinen Museum einen bleibenden Eindruck. Von hier kann man zu verschiedenen Möglichkeiten aufbrechen. Für die Besichtigung der Galerie gibt es eine kostenlose Führung, für die man sich nur anstellen muss. Während ein Guide eine kleine Gruppe 20 Minuten durch prächtige Säle bis unter die Kuppel führt, erfährt man etwas über die Geschichte des Gebäudes sowie über die unzähligen ausgestellten Kunstwerke. Das Deckengemälde an der Kuppel ist besonders schön gelungen und zieht einen in den Bann. Die Tour sollte man nicht machen, sondern MUSS man machen.

Washington DC Kapitol
Washington DC Kapitol
Washington DC Kapitol
Washington DC Kapitol Freiheitsstatue
Washington DC Kapitol von Innen

Es gibt zwar keine eigene Tour, aber man kann sich auf eigene Faust den Senatsraum und das Repräsentantenhaus anschauen. Dafür muss man sich nur eine schickes Kärtchen für den jeweiligen Teil der Orte abholen (Senat und Repräsentantenhaus liegen rechts und links von der Kuppel) und durch eine Sicherheitskontrolle gehen. Die Räumlichkeiten sind zwar schön anzusehen, aber da man weder Fotos machen durfte, noch eine heiße Debatte gerade vonstattenging, war es etwas langweilig, sich das ohne spezifisches Wissen anzuschauen. Wenn eine dort stattfindende Diskussion mal ins Fernsehen oder online übertragen werden sollte, können wir immerhin behaupten, dort schon einmal gewesen zu sein. Viel sehenswerter war die dem Kapitol gegenüberliegende Library of Congress. Durch einen Untergrundgang miteinander verbunden war es so, als würde man durch die Geheimnisse der Zeit schleichen. Dann taucht man wieder in einer wunderschönen Bibliothek auf, die einige der ältesten und wertvollsten Bücher der Welt besitzt. Hier lohnt sich ein Rundgang allemal, denn von innen sieht die Bibliothek viel schöner aus als von außen. Hier gibt es übrigens auch regelmäßig Führungen, für die man sich nur anmelden muss.

Washington DC Kapitol Bibliothek
Washington DC Kapitol Bibliothek
Washington DC Kapitol Bibliothek

Mein kleiner Absatz über die kulinarische Seite unserer Reise wird hier recht kurz ausfallen, gab es in Washington doch nichts, was als besonders lecker oder auffallend hervorstach. Außer dass Restaurantbesuche teuer sind. Um Christophs Geburtstag nachzufeiern, sind wir schick essen gegangen. Das Steak-Restaurant war lecker, aber so teuer, dass ich uns danach erst einmal auf Diät gesetzt habe. Das Lokal passt sich natürlich seiner Klientel an, aber dass die Staatsdiener so viel verdienen, grenzt an Korruption. Einen schönen Abend hatten wir trotzdem und der abendliche Spaziergang entlang des Lincoln Memorials hat uns wieder etwas getröstet, war dieser Anblick wirklich romantisch.

Washington DC bei Nacht
Washington Monument bei Nacht

Das Machtzentrum der Welt besteht aus so vielen Teilen, dass wir mehrere Tage brauchten, um nur die Gegend rund um diese Hauptstraße abzuklappern. Wir waren nur einmal in der Gegend der George Washington University und Downtown, aber um ehrlich zu sein, waren diese Bezirke zwar sauber, aber natürlich wesentlich schlichter. Hier findet man Wohngebiete oder ab und zu mal ein klassisches Bürogebäude, nichts außergewöhnliches oder besonders schönes. Aber das macht nichts, gibt es im Zentrum doch so viel zu tun, dass man dort Wochen verbringen kann. Da in Washington aber viele der Reichen und Mächtigen wohnen, gibt es wahrscheinlich einige beeindruckende Stadtbezirke, die sich sehen lassen können. Vielleicht finden wir ja die bei unserem nächsten Besuch in Washington, D.C. Wiederkommen werden wir auf jeden Fall.

Philadelphia

Philadelphia – Stadt der brüderlichen Liebe Keine 2 Stunden Busfahrt von New York entfernt liegt Philadelphia. Mit 6 Millionen Einwohnern gehört die Stadt zu den

Read More »

Atlanta

Atlanta – Coke schwimmt ganz oben Ach Atlanta, was soll man nur über dich sagen? Atlanta ist sicherlich nicht die bekannteste oder touristischste Stadt in

Read More »