Die Lebensfrohen

Xi'an Tor

Xi'an

- Die Armee greift an

Xi’an ist eine 1 Million-Einwohner-Stadt mitten in China. Warum sollte man also diese “Kleinstadt” für chinesische Verhältnisse besuchen? Wegen der weltberühmten “Terrakotta Armee”. Die Grabbeilage von Qin Shi Huang, dem ersten Kaiser Chinas, wurde ca. 210 v. Chr. mithilfe und auf Kosten von tausenden Sklaven und Arbeitern errichtet. Jede Skulptur ist einzigartig und macht die Sammlung von ca. 7000 Soldaten (wobei erst knapp über 1000 wieder zusammengesetzt wurden, der Rest liegt in Scherben) in Lebensgröße eine menschliche Meisterleistung. Zusätzlich dazu gefunden hat man auch mehrere Streitwagen und Pferde aus Ton. Die gesamte Grabanlage ist 56km² groß und ist somit die größte Grabstätte der Welt und nur etwas kleiner als Manhattan. Sie gehört zum UNESCO-Welterbe und fasziniert Archäologen und Geschichtsliebhaber aus aller Welt. 

Xi'an Einkaufsstraße
Xi'an Gebäude
Xi'an Gebäude

Pech nur, dass Christoph und ich dafür keine Karten mehr bekommen haben. Hier eine kurze Erklärung dazu, wie es dazukommen konnte. In China werden Eintrittskarten und Zugfahrkarten erst 7-9 Tage vor dem Datum freigeschaltet. Zudem muss man sein persönliches Ausweisdokument hinterlegen, das bedeutet, dass nur man selbst diese Karten nutzen kann. Die Karten kann man online oder oft auch über eine App bestellen. Leider ist beides meistens nur auf chinesisch, daher beauftragen ausländische Touristen (wie wir) chinesische Agenturen für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. In den meisten Fällen klappt das auch ganz gut, warum also bei uns nicht in Xi’an? 

Weil wir den schlechtestmöglichen Zeitpunkt dafür ausgewählt haben (unabsichtlich allerdings). Im Jahr 2024 fiel das chinesische Neujahr auf den 10. Februar und ist das wichtigste Fest für Chinesen. Es beginnt mit einer Familienfeier und dem Einläuten des neuen Jahres am Vortag und endet erst 15 Tage später mit dem Laternenfest. Jeder, und wir meinen jeder, fährt oder fliegt zu seiner Familie an diesen Feiertagen, auch aus dem Ausland, und da auch ca. 3 Milliarden Chinesen auf den Weg machen, ist es jedes Jahr die größte Völkerwanderung der Welt (kein Scherz!). Aber sie verbringen leider nicht die ganze Zeit Zuhause, sondern verreisen oder unternehmen etwas. Wie zum Beispiel nach Xi’an, um sich die Terrakotta Armee anzuschauen. Daher waren alle Karten für die Tage, in denen wir dort waren, leider schon weg. Auch direkt vor Ort konnte uns keiner helfen und wir mussten den Grund, warum wir überhaupt nach Xi’an geflogen sind, traurigerweise auslassen. Man kann halt nicht immer Glück haben, besonders wenn einem ca. 1 Million Chinesen im Weg stehen (mehr darüber in unserem Artikel “Shanghai”).

Xi'an Terrakotta Armee
Xi'an Terrakotta Armee Statue
Xi'an Denkmal

Das da nichts zu machen ist, haben wir auch auf der Straße gespürt. In den zwei Tagen, die wir in Xi’an verbracht haben, haben wir natürlich die Stadt erkundet. Direkt vor unserer Haustür verlief die Maixian Straße, eine Straße, die quasi nur aus Essensständen besteht. Verhungert sind wir dort also nicht. Etwas weiter wurde die kleine Essenstraße zu einer großen Essensstraße, die sich langsam mit kleinen Restaurants und anderen Shops abwechselt und somit leider nur noch mehr Touristen anzog. Hier wurde daraus ein echtes Spektakel, mit Süßigkeiten, Luftballons, einem Geisterhaus uvm, es wurde fast zu einem Jahrmarkt als zu einer kleinen, engen Straße mitten im Zentrum von Xi’an. 

Xi'an Innenstadt

In der Mitte der Innenstadt befindet sich der historische Glockenturm der Stadt. Eigentlich könnte man es eher als Festung bezeichnen und unterscheidet sich kaum von den alten Stadttoren, die durch eine Mauer die Innenstadt einschließen. Der Bell und Drum Tower ist das Wahrzeichen der Stadt und ein guter Anhaltspunkt, um sich nicht zu verlaufen. Man kann hineingehen und dort ein kleines Museum besichtigen, aber richtig lohnen tut sich das leider nicht. 

Xi'an Bell and Drum Tower
Xi'an Stadtmauer
Xi'an Stadtmauer

Außerhalb der Mauer findet man die große “Wildgans-Pagode”, ein buddhistischer Tempel aus dem 7. Jahrhundert. Bitte nicht verwechseln mit der kleinen Wildgans-Pagode, die zwar auch nett anzusehen ist, aber noch lange nicht so spektakulär ist wie der große Bruder. Das dazugehörige Kloster kann man leider nicht besichtigen. Zum Neujahr kleiden sich besonders Mädchen und Frauen in traditionelle Kleider, schminken und frisieren sich aufwändig und machen Fotos vor “heiligen” oder alten Gebäuden. Die Pagode war somit keine Ausnahme. Man kommt sich schnell wie auf einer Zeitreise in die Kaiserzeit vor. Außer dass damals bestimmt nicht so viele Menschen herumliefen. Bei Gott, das ist wirklich eine Völkerwanderung. Ständig sind Menschen um einen herum, die einen anrempeln, anstarren, hinten hineinlaufen oder einfach um einen herum sind. Es gibt keinen freien Platz mehr, wohin man blickt. Die schön gekleideten Frauen sind da leider nur ein schwacher Trost.

Xi'an Wildgoose pagoda
Xi'an Wildgoose pagoda
Xi'an Wildgoose pagoda

Das waren aber schon fast die einzigen alten Gebäude in der modernen Großstadt. Gut ausgebaute Verkehrsnetze, modern eingerichtete Cafés und Apps machen einem den Großstadtdschungel erträglicher. Besonders die App Alipay hat es uns angetan. Diese Bezahl-App hat fast jeder und so kann man nicht nur die Tickets für den öffentlichen Verkehr damit bezahlen, sondern auch den kleinen Straßenhändler, der in seinem kleinen Wägelchen köstliche Fleischspieße frittiert. Aber mit der App kann man noch mehr, so haben einige Restaurants einen QR-CODE, der einen zu der Speisekarte führt, die dann von der App übersetzt wird und man dort direkt bestellen und bezahlen kann. Man redet gar nicht mehr mit der Bedienung, die liefert nur noch das Essen. Das klingt zwar erst einmal etwas unpersönlich, aber man muss weder auf die Bedienung warten, um zu bestellen noch um zu bezahlen, und für Ausländer, die sowieso nichts verstehen, ist diese Funktion einfach super angenehm! So war es auch in dem Restaurant, in dem wir die Biang Biang-Nudeln gegessen haben. Diese gürtelartigen, breiten und langen Nudeln gehören zu den 8 Kuriositäten der Provinz Shaangxi und werden mit etwas Gemüse, Fleisch und scharfer Sauce serviert. Super lecker und sollte definitiv bei uns auch eingeführt werden. Man kann schnell danach süchtig werden. Generell das Street Food kann sich hier sehen lassen und man kann schnell übermäßig anfangen zu schlemmen. 

Xi'an Biang Biang Nudeln
Xi'an Biang Biang Nudeln
Xi'an Street Food
Xi'an Street Food

Die Stadt Xi’an ist an sich recht schön und allein für die “Terrakotta Armee” einen Besuch wert. Aber sie ist von den westlichen Einflüssen weit entfernt und kann daher als Sinnbild für eine chinesische Stadt herhalten. Die Menschen sind zwar in den meisten Fällen nett und hilfsbereit, aber kaum einer spricht Englisch und ihre Charakteristika unterscheiden sich doch deutlich von unseren. Anders ausgedrückt: Besonders bei diesen Massen kann es recht anstrengend werden. Wer nicht in einer Gruppe und zum ersten Mal in China reist, kann sich schnell verloren und überfordert fühlen. Ach was, jeder würde sich überfordert fühlen. 

Shanghai

Die Phrase “east meets west” hat noch nie so zugetroffen wie auf Shanghai. Eine riesige Metropole, die aussieht wie ein besseres, sauberes New York. Riesige Wolkenkratzer reihen sich aneinander und werden nur von größeren Shopping Malls unterbrochen. Denn eins ist ganz sicher, Shanghai ist das Paradies für alle Einkaufsliebhaber. Findet man nicht? Gibt’s nicht, jedenfalls nicht in Shanghai. Am berühmtesten ist wohl die Nanjiang Straße, ein ca. 2km lange Fußgängerzone, die links und rechts von Luxusmarken eingegrenzt wird. Rote Laternen, glitzernde Schilder und köstliche Gerüche locken gigantische Menschenmengen an, von denen man eigentlich nur mitgezogen wird. Wirklich mal in ein Geschäft reinzugehen, scheint so gut wie unmöglich. Macht aber nichts bei diesen Preisen.

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Chengdu

China ist ein großes Land, da ist es ganz natürlich, dass unsere Ziele weit auseinander liegen und wir mit einem Flugzeug von einem Ort zum anderen fliegen. Doch Xi’an und Chengdu liegen keine 4 Stunden voneinander entfernt und daher wollten Christoph und ich mal eine andere Art von Transport ausprobieren. Wie schon in unserem Xi’an-Blogartikel erwähnt, können Zugtickets in China nur 9-7 Tage vorher bestellt werden und da es ausgerechnet auch noch auf die großen Ferien fiel, war es ganz und gar nicht sicher, ob wir Tickets erhalten würden. Wir hatten aber Glück und bekamen zwar nicht für den exakt gewünschten Zug Sitzplätze, aber für einen Ähnlichen und glücklicherweise für dasselbe Datum. Wir fuhren also mit durchschnittlich 150 km/h durch hauptsächlich dunkle Tunnel und ein paar kleine Dörfern, um in nicht einmal 4 Stunden Chengdu zu erreichen.

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